Die National Hockey League trauert um eine ihrer profiliertesten Figuren. Claude Lemieux, viermaliger Stanley-Cup-Sieger und Most Valuable Player der Playoffs 1995, ist am Donnerstag im Alter von 60 Jahren gestorben. Sein Sohn fand den ehemaligen Stürmer nach Angaben der Polizei in Lake Park, Florida, im Lagerhaus eines Möbelgeschäfts der Familie. Den Behörden zufolge nahm sich Lemieux das Leben.

Die Nachricht kommt nur Tage nach einem Auftritt, der für die Canadiens de Montréal als Hommage gedacht war. Am Montag, dem 26. Mai, hatte Lemieux im Bell Centre die zeremonielle Fackel vor dem dritten Spiel der Eastern Conference Finals gegen die Carolina Hurricanes übernommen. Der kanadische Sender RDS zeigte ihn lächelnd vor mehr als 21.000 Zuschauern. Drei Tage später bestätigten die Canadiens seinen Tod.

Geoff Molson, Eigentümer und Geschäftsführer des Klubs, sprach von einem dunklen Tag. „Claude verkörperte das Wesen eines Spielers der Montreal Canadiens“, erklärte Molson in einer am Donnerstagabend veröffentlichten Mitteilung. Lemieux sei „ein erbarmungsloser, mutiger und unermüdlicher Spieler“ gewesen, der das Team „zu den höchsten Ehren geführt“ habe. NHL-Commissioner Gary Bettman würdigte ihn laut Kicker und Sport1 als „einen der besten Profis in wichtigen Spielen“.

Heute ist ein dunkler Tag für die Canadiens-Familie und die gesamte Hockey-Gemeinde.
- Geoff Molson, Eigentümer Montreal Canadiens

Vier Cups mit drei Franchises

Lemieux gehört zu den nur elf Spielern der NHL-Geschichte, die den Stanley Cup mit drei verschiedenen Teams gewannen. Den ersten Titel holte er 1986 als Neuling mit Montreal, danach folgten 1995 und 2000 mit den New Jersey Devils und 1996 mit der Colorado Avalanche. Beim Triumph der Devils 1995 sicherte er sich mit 13 Playoff-Treffern die Conn Smythe Trophy als wertvollster Akteur der Endrunde. Laut NHL.com bestritt er 234 Postseason-Spiele, der sechsthöchste Wert der Liga, und kam in 1.215 Hauptrundenpartien auf 786 Punkte.

Nach dem Karriereende 2010 arbeitete der gebürtige Quebecer als Spielerberater bei der Agentur 4sports Hockey und vertrat unter anderem den dänischen Torhüter Frederik Andersen. Sein Sohn Brendan Lemieux steht als NHL-Profi selbst weiter auf dem Eis.

Familie kündigt Gehirnspende an

In einer über die NHL Alumni Association verbreiteten Erklärung baten Lemieuxs Witwe Deborah und die vier Kinder um Privatsphäre. Die Familie kündigte zudem an, das Gehirn des 60-Jährigen dem CTE Center der Boston University zur Erforschung der chronisch-traumatischen Enzephalopathie zu überlassen. Die Krankheit wird mit wiederholten Kopferschütterungen im Kontaktsport in Verbindung gebracht und steht seit Jahren im Fokus der nordamerikanischen Profiligen.

Hilfe bei Suizidgedanken in Deutschland: Telefonseelsorge, kostenfrei rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, online unter telefonseelsorge.de.