Wenn Julian Nagelsmann am Sonntagabend in Mainz seine Aufstellung verliest, dann ist es das letzte Mal vor der WM, dass er das auf deutschem Boden tut. Um 20.45 Uhr stößt die Nationalmannschaft in der ausverkauften Mewa Arena gegen Finnland an, live im ZDF, und 33.305 Zuschauer sehen die vorletzte Bewährungsprobe vor dem Abflug nach Nordamerika. Zwei Tage nach dem Schlusspfiff hebt der Tross in Richtung USA ab, am 14. Juni steht das WM-Auftaktspiel gegen Curaçao an.
Im Tor beginnt nicht der Kapitän, sondern Oliver Baumann. Manuel Neuer laboriert an einer Wadenverhärtung und nahm das Training am Freitag erst wieder auf. „Er ist voll im Soll“, sagte Nagelsmann auf der Pressekonferenz am Samstag, wie der ZDFheute-Sportblog überträgt. Den Hoffenheimer Baumann nennt der Bundestrainer dort eine „Weltklasse-1b-Lösung“. Auf der zweiten Position fehlt zudem Kai Havertz, der am Vorabend in Budapest mit dem FC Arsenal das Champions-League-Finale gegen Paris bestritt. Den Sturmplatz bekommt Deniz Undav, eine zentrale Personalie im Konkurrenzkampf um Havertz’ Rolle.
Die Elf, die Nagelsmann nach Berichten der Sportschau und von fussballnationalmannschaft.net auf den Platz schicken will: Baumann - Kimmich, Tah, Schlotterbeck, Raum - Pavlovic, Nmecha - Karl, Musiala, Wirtz - Undav. Lennart Karl bekommt mit 18 Jahren sein Startelf-Debüt, Felix Nmecha kehrt nach langer Verletzungspause auf die Doppel-Sechs zurück. „Der Konkurrenzkampf ist da“, sagte Nagelsmann gegenüber dem ZDF und betonte, dass viele Spieler dieses Abends auch im WM-Eröffnungsspiel auflaufen könnten.
Wir haben nicht so viel Zeit. Wir versuchen, schnell in den Rhythmus zu kommen.
Der emotionale Subtext des Abends heißt Jamal Musiala. Der Bayern-Profi spielt erstmals seit dem 23. März 2025 wieder für die Nationalelf, eine Knieverletzung hatte ihn im Sommer aus dem Spiel gerissen. „Ich freue mich morgen auf dem Platz zu sein“, sagte er auf der Pressekonferenz - mehr Pathos braucht es bei ihm nicht. Wirtz, Musiala und Karl bilden dahinter eine offensive Reihe, die Nagelsmann gegenüber heidelberg24 mit einem Wort umschreibt: „Spaß am Fußball“.
Finnen ohne WM, aber mit Anliegen
Die Gäste reisen in einer ungewohnten Konstellation an. Finnlands Auswahl hat die WM-Qualifikation verpasst und kommt als Sparringspartner, geführt von Jacob Friis, dem früheren Co-Trainer des FC Augsburg. Im Sturm steht Joel Pohjanpalo, im Tor der von der AS Monaco bekannte Lukas Hradecky. Die DFB-Auswahl ist im Kalenderjahr 2026 ungeschlagen, hat zuvor in Frankfurt gegen die Schweiz und Ghana getestet, gegen Finnland geht es nun darum, die ungetesteten Achsen für das Turnier zu verproben.
Mainz hat dabei einen historischen Beigeschmack: 2014 absolvierte die Nationalmannschaft hier ihren letzten Heimauftritt vor dem Brasilien-Triumph, ein 6:1 gegen Armenien. Diesmal ist die Atmosphäre nüchterner. „Alle brennen darauf, dass es mit der Vorbereitung losgeht. Wir haben einen starken Kader, von dem ich absolut überzeugt bin“, sagte Nagelsmann zur Stimmung im Team. Am Dienstag fliegt die Mannschaft in die USA, die letzte Generalprobe in Übersee steht kurz vor dem Eröffnungsspiel an. Was Nagelsmann in Mainz an Erkenntnissen sammelt, hat damit eine kurze Halbwertszeit - und genau deshalb zählt es.