Martin Hagen ist neuer Generalsekretär der FDP - doch der Start ins Amt fällt nüchtern aus. Auf dem Bundesparteitag im Berliner Estrel-Hotel wählten die Delegierten den 44-jährigen Bayern am Samstagabend mit 58,8 Prozent der Stimmen, knapp 37 Prozent stimmten gegen ihn. Einen Gegenkandidaten gab es nicht: Nach FDP-Satzung darf nur der oder die Bundesvorsitzende einen Vorschlag für das Amt machen, und der frisch gewählte Parteichef Wolfgang Kubicki hatte sich für seinen langjährigen Vertrauten Hagen entschieden.
Hagen war von 2018 bis 2023 Fraktionsvorsitzender der FDP im Bayerischen Landtag, von 2021 bis 2025 Vorsitzender des Landesverbands und seit 2019 Mitglied im Bundesvorstand. Seit dem vergangenen Jahr leitet er die Denkfabrik R21, die nach eigener Darstellung Ideen für eine „neue bürgerliche Politik“ entwickelt und sich vor allem an einer als „woke“ empfundenen Identitätspolitik abarbeitet. Auf der Bühne in Berlin umriss Hagen seinen Stil mit den Worten „klare Kante, mutig, fröhlich, optimistisch und ohne Angst davor, auch mal anzuecken“, wie das ZDF berichtet.
Eine Partei, in der führende Protagonisten völkisches Gedankengut pflegen, kann niemals Koalitionspartner für unsere FDP sein.
Streit um die Brandmauer wirkt nach
Das Ergebnis liegt deutlich unter dem, was FDP-Generalsekretäre normalerweise erreichen. Christian Lindner kam 2013 auf 96,3 Prozent, Volker Wissing 2020 auf 92,7 Prozent, Bijan Djir-Sarai 2022 auf 76 Prozent. Für einen Vergleichswert in der Größenordnung muss man bis in die Achtzigerjahre zurückgehen: Irmgard Adam-Schwaetzer wurde 1982 mit 53,2 Prozent ins Amt gewählt - in einer Phase, in der die Partei nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition tief gespalten war.
Hinter Hagens Resultat steht weniger die Person als der Konflikt, der die FDP seit Wochen begleitet: der Streit über den Umgang mit der AfD. Mehrere Delegierte hatten Kubicki und Hagen im Vorfeld eine zu weiche Linie gegenüber den Rechtspopulisten vorgeworfen. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die in der Kampfabstimmung um den Vorsitz am Vormittag gegen Kubicki angetreten war und unterlag, hatte sich in ihrer Rede ausdrücklich gegen eine „Anbiederung“ an die AfD ausgesprochen und Hagen namentlich genannt. Dass Hagen vor seiner Wahl die völkische Strömung in der AfD scharf attackierte, war auch eine Reaktion auf diese Vorwürfe.
Was Hagen jetzt organisieren muss
Der neue Generalsekretär übernimmt ein Amt, das in der FDP traditionell mehr Last als Bühne ist: Wahlkampfsteuerung, Geschäftsstelle, Programmkoordination. Im September stehen Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin an - in keinem der drei Länder käme die Partei nach aktuellen Umfragen sicher über die Fünf-Prozent-Hürde. Kubicki hatte vor dem Parteitag eine selbstgesetzte Frist verkündet: Binnen eines Jahres müsse die FDP bundesweit wieder über fünf Prozent stehen, sonst sei er gescheitert. Die Aufgabe, den Apparat dafür auszurichten, liegt jetzt bei Hagen - mit einem Ergebnis, das von Anfang an den Erwartungsdruck markiert.