An diesem Sonntag entscheiden rund 1,3 Millionen Hamburgerinnen und Hamburger ab 16 Jahren darüber, ob sich ihre Stadt beim Deutschen Olympischen Sportbund um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewirbt. Zwischen 8 und 18 Uhr sind 178 Wahllokale geöffnet; die ersten Hochrechnungen erwartet das Statistikamt Nord gegen 18.30 Uhr, das vorläufige Endergebnis gegen 22 Uhr. Es ist nach der gescheiterten Bewerbung von 2015 der zweite Anlauf der Hansestadt.
Über die Briefwahl haben bis Samstagabend bereits 561.996 Stimmberechtigte abgestimmt, das entspricht einer Quote von 42,6 Prozent. Die Briefwahlfrist endete am Mittwoch. Damit das Plebiszit angenommen ist, muss eine einfache Mehrheit mit Ja stimmen, zusätzlich verlangt das Referendumsgesetz eine Beteiligung von mindestens einem Fünftel der Wahlberechtigten - ein Quorum, das nach den Briefwahlzahlen schon vor dem Wahltag erfüllt ist.
Der rot-grüne Senat unter Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) wirbt mit dem Slogan „Dein Ja macht Hamburg zur Nummer 1“ für eine Bewerbung und hat nach Recherchen der taz rund 18 Millionen Euro öffentlicher Mittel für Konzeptentwicklung und Kampagne investiert. Auf den Plakaten unterstützen Udo Lindenberg („Cooles Ding“) und der in Hamburg geborene Tennisprofi Alexander Zverev das Vorhaben. Das vom Senat im März vorgelegte Finanzkonzept rechnet mit Kosten von 4,8 Milliarden Euro - finanziert zu großen Teilen vom Bund - und stellt diesen Einnahmen von 4,9 Milliarden Euro gegenüber.
Hamburgerinnen und Hamburger lassen sich nicht für dumm verkaufen.
Kalkulation auf der Kippe
Genau diese Zahlen sind der zentrale Streitpunkt. Die NOlympia-Initiative um den ehemaligen Gewerkschafter Eckart Maudrich spricht von „riesigen Löchern“ im Finanzkonzept und verweist darauf, dass die Sicherheitskosten der Spiele in der Senatsrechnung nicht enthalten sind. Die Linke, einzige im Rathaus vertretene Partei, die das Referendum ablehnt, rechnet auf ihren Plakaten mit „mindestens sechs Milliarden Euro Miese“. Der Senat hält dagegen, am Ende könne sogar ein Plus von 100 Millionen Euro stehen.
Auf der Nein-Seite stehen außerdem der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, der Hamburger Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft sowie eine Reihe von Sportlern. Der Para-Schwimmer Hans-Jürgen Rehder, 1988 in Seoul Bronzemedaillengewinner, kündigte gegenüber dem ZDF an, mit Nein zu stimmen, weil er die Inklusionsversprechen der Bewerbung für unglaubwürdig hält. Gegner argumentieren mit drohenden Mietsteigerungen, Verdrängung im Stadtteil und einer Verschiebung von Bildungs- und Sozialausgaben.
Wettbewerb um Deutschlands Bewerbung
Ein Ja in Hamburg ist noch keine Bewerbung. Der DOSB entscheidet am 26. September auf seiner Mitgliederversammlung, mit welcher Stadt Deutschland antritt. Konkurrenten sind München, das bereits im Oktober 2025 mit 66,4 Prozent für eine eigene Bewerbung gestimmt hatte, die Rhein-Ruhr-Region und Berlin. Bei der Bewertung des DOSB fließen die Referendumsergebnisse direkt in die Punktewertung ein - je höher die Zustimmung, desto besser die Ausgangsposition. Eine Vorentscheidung des Internationalen Olympischen Komitees wird nicht vor 2027 erwartet.
Hamburg hat in den vergangenen Wochen bereits eine wichtige Unterstützung erhalten: Im benachbarten Kiel, das im Falle einer Hamburger Bewerbung die Segel-, Handball- und Rugby-Wettbewerbe ausrichten würde, stimmten 63,5 Prozent für eine Beteiligung. Anders als 2015, als die damalige Bewerbung „Feuer und Flamme“ in einem Referendum mit 51,6 Prozent Nein scheiterte, beschränken sich die Pläne diesmal weitgehend auf bestehende Anlagen, ergänzt um temporäre Bauten. Die Eröffnungsfeier soll nach derzeitigen Vorstellungen auf einer schwimmenden Plattform in der Binnenalster stattfinden.