Die Vereinten Nationen begehen den 20. Mai seit 2018 als Weltbienentag, in Erinnerung an den slowenischen Imkereipionier Anton Janša. Auch in Deutschland ist der Tag inzwischen Anlass für Stellungnahmen von Naturschutzverbänden, Behörden und Berufsverbänden. Das Motto der UN für 2026 lautet „Bee Together for People and the Planet“ - eine Partnerschaft zwischen Mensch und Biene. In Maribor, der Heimat Janšas, findet ein Internationales Forum zur Bienenhaltung statt, parallel dazu lädt die FAO in Genf zu einer Fachtagung ein.
In Deutschland fällt die Bilanz zwiespältig aus. Die Honigbienen-Saison startet stark: Imker Christian Krug aus Schleswig-Holstein berichtet von einer ungewöhnlich kräftigen Frühjahrsernte und gut entwickelten Völkern. „Die Honigpötte sind voll“, fasst er gegenüber dem Verbraucherschutzforum Berlin die Lage zusammen. Vor allem die Rapsblüte hat ergiebig getragen.
Bei den Wildbienen ist die Lage deutlich angespannter. Das Bundesamt für Naturschutz zählt rund 561 Wildbienenarten in Deutschland, mehr als die Hälfte davon steht auf der Roten Liste. In Berlin gelten laut NABU 42 Prozent der Wildbienenarten als gefährdet, weitere fünf Prozent stehen auf einer Vorwarnliste. Hauptgrund ist der Verlust von Lebensräumen, etwa durch die „Bebauung von Brachen“, wie der Verband schreibt.
Die Honigbienen räumen alles ab.
NABU-Experte Carsten Pusch verweist außerdem auf einen weniger sichtbaren Konflikt: Honigbienen seien so effiziente Sammlerinnen, dass sie spezialisierten Wildbienenarten die Nahrung wegfressen würden. „Die Honigbienen räumen alles ab“, sagt er. Wildbienen brauchten oft ganz bestimmte heimische Pflanzen und offene Bodenstellen - Bedingungen, die intensiv gepflegte Gärten und versiegelte Flächen nicht bieten.
Forderungen aus dem Berufsstand
Auch der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund nutzt den Tag für politische Forderungen. Der Verband warnt vor der Asiatischen Hornisse, die Bienenstöcke gezielt angreift, und vor der Tropilaelaps-Milbe aus Asien, die aggressiver als die bekannte Varroa-Milbe Völker schädige - „zugelassene Bekämpfungsmittel gibt es in Deutschland bislang nicht“, heißt es in der Stellungnahme. Außerdem dringt der Verband auf eine vollständige Zulassungsprüfung für Neonicotinoide statt regelmäßiger Notfallzulassungen.
Die ökonomische Größenordnung ist erheblich. Bestäubungsleistungen von Honig- und Wildbienen werden in Deutschland auf rund zwei Milliarden Euro jährlich beziffert. Ohne Bienen würde ein erheblicher Teil der Obst- und Gemüseproduktion einbrechen. Die „Wildbiene des Jahres 2026“ ist die Glockenblumen-Sandbiene, die Pollen fast ausschließlich von Glockenblumen sammelt - ein Lehrbuchfall dafür, wie eng spezialisierte Arten an einzelne Pflanzen gebunden sind.
Der NABU Berlin lädt am Nachmittag zu einer Wildbienen-Exkursion auf das Tempelhofer Feld, geführt vom Bienenfachmann Christoph Saure. Das Bundesumweltministerium verweist auf der eigenen Themenseite zum Tag auf Pflanz- und Garten-Empfehlungen, die Hobbygärtnerinnen und -gärtnern helfen sollen, Wildbienen aktiv zu fördern - mit offenen Bodenflächen, Totholz und vor allem einer ausreichenden Vielfalt heimischer Blütenpflanzen.