Am 25. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 sind am Freitag Vizepräsident JD Vance und die vier lebenden Ex-Präsidenten Bill Clinton, George W. Bush, Barack Obama und Joe Biden gemeinsam am Ground Zero in New York aufgetreten. Um 8.30 Uhr Ortszeit begann die Zeremonie am National September 11 Memorial in Lower Manhattan, um 8.46 Uhr - dem Zeitpunkt, an dem das erste Flugzeug in den Nordturm des World Trade Center einschlug - erklang die erste Schweigeminute.

Angehörige der Opfer verlasen wie in jedem Jahr die Namen der Toten. Insgesamt hielten die Teilnehmer sieben Schweigeminuten ab. Neu ist die siebte: Sie gilt jenen, die später an Krankheiten und Verletzungen infolge der Anschläge und der Bergungsarbeiten gestorben sind. Wie der Tagesspiegel unter Berufung auf die dpa berichtet, übersteigt die Zahl dieser Spätopfer inzwischen die knapp 3.000 unmittelbar Getöteten. Der neue New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani hatte darauf bestanden, dass am Memorial keine politischen Reden gehalten werden - der Tag solle den Familien, den Feuerwehrleuten und den Helfern gehören.

Wir werden niemals, niemals vergessen. Deshalb kämpfen wir heute. Wir haben keine Wahl.
- Donald Trump, Rede am Pentagon, 11. September 2026

Trump verknüpft das Datum mit dem Iran-Krieg

Präsident Donald Trump nahm zum zweiten Mal in Folge nicht am Ground Zero teil, sondern sprach am Pentagon in Arlington - dem zweiten Anschlagsort, an dem 2001 184 Menschen starben. Trump nutzte die Ansprache, um die seit Frühjahr laufende US-Militäroffensive gegen den Iran zu rechtfertigen. Die Islamische Republik werde niemals eine Atomwaffe besitzen, sagte Trump, wie web.de berichtet.

Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte am Pentagon, man habe in den vergangenen sechs Monaten „den weltweit bedeutendsten staatlichen Sponsor des Terrorismus in Schutt und Asche gelegt“. Die Washington Post beschreibt Trumps Auftritt als Bruch mit der über zwei Jahrzehnte gepflegten Tradition, wonach am Jahrestag keine tagespolitischen Botschaften gesetzt werden - während in New York die reine Trauerform gewahrt blieb, verband Trump das Gedenken direkt mit einem laufenden Krieg.

Drohnen zeichnen die Twin Towers

Am Vorabend hatte über dem New Yorker Hafen die Installation „2977 Lights Over New York Harbor“ ihre Premiere. 2.977 Drohnen - eine für jedes Opfer - formten die Umrisse der eingestürzten Zwillingstürme in den Nachthimmel. Nach Angaben des Tagesspiegel entstand aus einigen Blickwinkeln eine ungewollt makabere Szene, als am Rand des Bildes ein Flugzeug in die leuchtenden Silhouetten hineinzuflog.

Der Analyse von T-Online zufolge ist Trumps demonstrative Abwesenheit von den Reflecting Pools kein Zufall. Der Historiker Nathan Citino wird in dem Artikel zitiert: Trump habe „das politische Umfeld nach dem 11. September nicht geschaffen, aber er hat es erfolgreich ausgenutzt“. Zu diesem Umfeld gehört nach Darstellung des Portals auch die Aufstockung des Etats für das Heimatschutzministerium um 191 Milliarden Dollar und der Ausbau der 2003 gegründeten Migrationsbehörde ICE.

Während in Manhattan die Glocken der Feuerwachen läuteten, veröffentlichte die CIA erstmals bislang geheime Berichte aus dem Jahr 1998 - Analysen, die vor der Bedrohung durch al-Qaida gewarnt hatten und die später zum umstrittensten Kapitel der Vorgeschichte wurden. In Shanksville, Pennsylvania, wurde am Absturzort von Flug 93 der 40 Passagiere und Besatzungsmitglieder gedacht, die im Kampf gegen die Entführer starben.