Auf der Baustelle der neuen A40-Rheinbrücke in Duisburg-Neuenkamp fehlen an diesem Freitag noch sieben Segmente bis zum Lückenschluss. Auf dem bereits fertigen zweiten Teilbauwerk liegt derzeit ein 500 Tonnen schweres Stahlsegment, das an lediglich acht Schrauben hängt, bevor es im Freivorbau über den Rhein geschoben wird, wie die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ am Freitag berichtet.
Der neue Abschnitt ist rund 30 Meter lang, Schweißarbeiten verbinden ihn mit dem bestehenden Überbau. Die beiden Pylone der Doppelbrücke wachsen weiter auf 70 Meter Höhe und werden die Last der freivorgebauten Segmente künftig über Schrägseile tragen. Für die schweren Bewegungen mussten Anwohnerinnen und Anwohner in unmittelbarer Nähe der Baustelle ihre Wohnungen zeitweise verlassen, so die WAZ.
Der Ersatzneubau der Rheinbrücke Neuenkamp gehört zu den größten Autobahnbaustellen Nordrhein-Westfalens. Bauherrin ist die DEGES im Auftrag der Autobahn GmbH des Bundes; das Konsortium um HOCHTIEF hat den Auftrag im Volumen von rund 500 Millionen Euro erhalten. Die alte, 1970 eröffnete Brücke war für 30.000 Fahrzeuge pro Tag konzipiert - heute rollen dort täglich mehr als 100.000 Fahrzeuge über den Rhein, darunter rund 11.000 Lastwagen.
Deutschlands längste Schrägseilbrücke
Mit einer Hauptspannweite von 380 Metern zwischen den Pylonen wird die neue Rheinquerung Deutschlands längste Schrägseilbrücke - einen Rekord, den bereits das erste Teilbauwerk aus dem Jahr 2023 hält. Insgesamt ist das Bauwerk 802 Meter lang und 68 Meter breit; als Fundament dienen 360 Betonpfähle. Nach Angaben aus dem Konsortium sind über beide Brückenhälften rund 30.500 Tonnen Stahl verbaut.
Nach dem Baubeginn im Dezember 2019 wurde die erste Brückenhälfte am 6. November 2023 für den Verkehr freigegeben; seither führt die A40 in beide Richtungen dreispurig über den Rhein. Im März 2026 schob die DEGES den 532 Meter langen Nordüberbau des zweiten Teilbauwerks in Position, danach folgten die Pylonmontage und die aktuelle Freivorbau-Phase über dem Fluss.
Fertigstellung verschiebt sich Richtung 2027
Ursprünglich sollte die neue Rheinbrücke 2026 komplett fertig sein - so steht es weiter auf der Projektseite der Stadt Duisburg. Aktuelle DEGES-Angaben nennen für die Inbetriebnahme des zweiten Teilbauwerks inzwischen das Jahr 2027, der komplette achtstreifige Ausbau der A40 wird sogar erst für 2028 in Aussicht gestellt. Nach dem Lückenschluss muss die erste Brückenhälfte zudem noch um 14,4 Meter quer verschoben werden, damit alle acht Fahrstreifen final in Position kommen.
Für Duisburg-Homberg bedeutet das weitere Einschränkungen: Straßen wie die Flachsstraße und die Wilhelmallee bleiben laut DEGES bis Mitte 2027 gesperrt. Bis 2030 rechnet die Autobahn GmbH auf der Achse mit rund 126.500 Fahrzeugen pro Werktag - eine Zahl, die die alte Brücke ohne den Neubau nicht bewältigen könnte.