Auf der A516 in Oberhausen läuft am kommenden Wochenende einer der aufwendigsten Brückenverschübe des Jahres im deutschen Autobahnnetz. Die Autobahn GmbH sperrt die kurze Ruhrgebietsautobahn nach eigener Ankündigung von Freitag, 21. August, 18 Uhr, bis Montag, 24. August, 6 Uhr komplett in beide Richtungen, damit ein rund 900 Tonnen schwerer Brückenüberbau über die Alsfeldstraße an seinen endgültigen Platz gehoben werden kann.

Der Überbau war seit Juni auf einer Freifläche am Autobahnkreuz Oberhausen vormontiert worden, komplett mit Fahrbahn und Schutzeinrichtungen. Am Wochenende schiebt ein selbstfahrender Modultransporter (SPMT) das Bauwerk in Position; laut Autobahn GmbH bringt das Fahrzeug samt Brücke etwa 900 Tonnen auf die Waage. Für den Weg über die Jägerstraße wurden zusätzliche Stützträger eingezogen.

Der Bund vermarktet das Verfahren als „Turbobrücke 2.0". Statt den Überbau wie sonst üblich von unten einzuschieben, wird er erstmals von oben mit hydraulischen Hebesystemen in die Endlage abgesenkt. „Mit dem zweiten Projekt an der Alsfeldstraße in Oberhausen zeigen wir, wie moderner Brückenbau heute funktioniert: modular, innovativ und deutlich schneller", teilte Tobias Fischer, Geschäftsbereichsleiter Bau und Erhaltung in der Außenstelle Essen, in einer Mitteilung der Autobahn GmbH mit.

Mit dem zweiten Projekt an der Alsfeldstraße in Oberhausen zeigen wir, wie moderner Brückenbau heute funktioniert: modular, innovativ und deutlich schneller.
- Tobias Fischer, Autobahn GmbH Rheinland

Sechs Monate statt zwei Jahre

Die 22,50 Meter lange Brücke wird nach Angaben der Autobahn GmbH in insgesamt sechs Monaten für beide Richtungen fertig, während ein konventioneller Neubau rund 24 Monate dauern würde. Beim benachbarten Vorprojekt an der Teutoburger Straße lag die Bauzeit noch bei sieben Monaten pro Fahrtrichtung. Beim aktuellen Bauvorhaben kommen zudem Fertigteile aus Beton zum Einsatz, die laut einem Bericht des Mindener Tageblatts mit 40 Metern Länge und 121 Tonnen die größten je auf einer deutschen Autobahnbrücke verbauten Elemente sind.

Für Pendler und Wirtschaftsverkehr im Ruhrgebiet bleibt das Wochenende dennoch heikel. Die Autobahn GmbH lenkt den Verkehr großräumig über die A3 und die A42 um. Bereits seit Mittwoch ist die Jägerstraße für Autos gesperrt, ab Donnerstag folgen Teutoburger Straße und Dreilinden - dort mit rund um die Uhr laufenden Arbeiten, wie Radio Oberhausen berichtete. Die Alsfeldstraße selbst bleibt nach Angaben der Stadt Oberhausen bis Anfang November dicht.

Neuer Standardfall für marode Brücken

Politisch ist der Termin für die Autobahn GmbH relevant, weil er die Botschaft transportieren soll, dass die Sanierung des in großen Teilen alten Autobahnnetzes schneller gehen kann. Bundesweit gelten Tausende Bauwerke aus den siebziger und achtziger Jahren als sanierungsbedürftig, jüngst hatte der Fall der Adenauerbrücke in Esslingen und die Debatte um die Bonner A565-Nordbrücke gezeigt, wie schnell einzelne Brückenschäden ganze Verkehrsregionen lahmlegen können. Ob die „Turbobrücke" tatsächlich zum Standard wird, hängt nach Einschätzung der Autobahn GmbH auch davon ab, ob der Ansatz auf größere Spannweiten übertragbar ist - vorerst gilt er für Bauwerke bis rund 20 Meter.