Rund um den Globus haben Hochschulen und Initiativen am Dienstag den Ada Lovelace Day begangen. Der internationale Aktionstag für Frauen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik fiel 2026 auf den 13. Oktober, traditionell den zweiten Dienstag im Oktober. In Deutschland organisierten unter anderem die Universität Kiel und das Ada-Lovelace-Projekt in Rheinland-Pfalz Veranstaltungen, von Rätsel-Nachmittagen bis zu Robotik-Workshops. Der Hashtag #adalovelaceday zählte am Mittwoch zu den meistdiskutierten Themen im deutschsprachigen Netz.

Namensgeberin ist Augusta Ada King-Noel, Countess of Lovelace, 1815 als Tochter des Dichters Lord Byron geboren und 1852 verstorben. Die britische Mathematikerin gilt als erste Programmiererin: In ihren Anmerkungen zu Charles Babbages Analytical Engine von 1843 beschrieb sie den ersten dokumentierten Algorithmus für eine Rechenmaschine. Der nach ihr benannte Aktionstag wurde 2009 von der britischen Aktivistin Suw Charman-Anderson ins Leben gerufen und hat sich seitdem von einer Blog-Initiative zu einem international beachteten Datum entwickelt.

Zahlen aus den deutschen MINT-Fächern

Die Debatte um Frauenanteile in Technik und Informatik begleitet den Aktionstag seit Beginn. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Frauenanteil unter den Erstsemestern in MINT-Fächern im Studienjahr 2024 bei 36 Prozent und erreichte damit einen Höchstwert seit Beginn der Erhebung. Im Zehn-Jahres-Vergleich entspricht das einem Plus von rund fünf Prozentpunkten. Über alle Studienfächer hinweg stellen Frauen mehr als die Hälfte der Studienanfängerinnen, im MINT-Bereich bleibt der Abstand damit ausgeprägt.

Die Unterschiede innerhalb des MINT-Bereichs sind beträchtlich. In der Innenarchitektur erreichten Frauen laut Destatis einen Anteil von 87 Prozent, in der Fahrzeugtechnik sind es lediglich etwa zehn Prozent. Bei den Professuren meldet die Plattform „Innovative Frauen im Fokus“ einen Anstieg des Frauenanteils in MINT-Fächern von vier Prozent 1997 auf 19,2 Prozent 2024. Das Institut der deutschen Wirtschaft beziffert die Zahl erwerbstätiger Frauen in MINT-Berufen auf knapp 1,2 Millionen, ein Anteil von 16,4 Prozent an allen MINT-Beschäftigten.

Workshops in Kiel, Koblenz und Bingen

Die Universität Kiel lud zum Aktionstag an die Technische Fakultät zur „Mind Challenge“, einem gemeinsam mit dem Netzwerk NatuS und ACM-W organisierten Rätselnachmittag für Studierende und Beschäftigte. Das in Rheinland-Pfalz an der Universität Mainz angesiedelte Ada-Lovelace-Projekt bündelte in diesem Herbst zwei Formate: In Bingen bauten Schülerinnen im Workshop „Code trifft Musik“ eigene klangerzeugende Geräte, in Koblenz entstanden am 12. und 13. Oktober im Rahmen von „MINT trifft Kreativität“ Zeichenroboter. Beide Werkstätten zielen auf Mädchen, die über künstlerische Zugänge an Programmierung und Elektronik herangeführt werden sollen.

Für die Verantwortlichen des Projekts sind kreative Formate kein Beiwerk. Studien zeigten, dass Mädchen MINT-Fächer häufiger wählen, wenn der Zugang an persönliche Interessen anknüpfe, heißt es in einem Beitrag der Projektseite vom Aktionstag. In Deutschland bleibt die Fachkräftelücke in technischen Berufen ein wiederkehrendes Thema wirtschaftspolitischer Debatten. Der Ada Lovelace Day setzt an genau dieser Stelle an und soll Vorbilder sichtbar machen, die in Lehrplänen und Nachrichtenberichten noch immer selten auftauchen.