In Deutschland sind im vergangenen Jahr so wenige Kinder adoptiert worden wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. 3.517 Adoptionen zählte das Statistische Bundesamt (Destatis) für 2025, wie die Behörde am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Das sind 145 Fälle oder rund vier Prozent weniger als 2024 und der niedrigste Wert seit 1990.
Der Rückgang setzt einen langen Trend fort. Auf dem Höchststand 1993 waren 8.687 Kinder in Deutschland adoptiert worden - mehr als doppelt so viele wie heute. Seit 2009 bewegt sich die Fallzahl auf niedrigem Niveau zwischen 3.500 und 4.100. Destatis führt die Entwicklung auf mehrere Faktoren zurück: veränderte Familienformen, ausgebaute staatliche Familienleistungen, strengere Kinderschutzregeln und Fortschritte in der Reproduktionsmedizin.
Drei von vier Adoptionen sind Stiefkindadoptionen
Die Zahlen zeigen zugleich einen deutlichen strukturellen Wandel. 75 Prozent aller Adoptionen im Jahr 2025 waren Stiefkindadoptionen - also die rechtliche Übernahme eines Kindes durch die neue Partnerin oder den neuen Partner eines Elternteils. Im Jahr 2010 lag der Anteil noch bei 54 Prozent. Ehe- oder Paaradoptionen machten zuletzt 23 Prozent aus, davon 21 Prozent verschiedengeschlechtliche und drei Prozent gleichgeschlechtliche Paare. Zwei Prozent der Kinder wurden von Einzelpersonen adoptiert.
Der Anteil der Stiefkindadoptionen ist von 54 Prozent im Jahr 2010 auf 75 Prozent im Jahr 2025 gestiegen.
Bei den Stiefelternschaften dominieren nach wie vor Frauen: 45 Prozent aller Adoptionen entfielen auf Stiefmütter, 30 Prozent auf Stiefväter. Das Durchschnittsalter der adoptierten Kinder lag bei 5,1 Jahren. 27 Prozent waren noch nicht ein Jahr alt, weitere 31 Prozent zwischen einem und zwei Jahren.
Auslandsadoptionen bleiben Randgröße
Die Zahl der Auslandsadoptionen blieb marginal. 56 Kinder oder 1,6 Prozent aller Fälle kamen aus dem Ausland - vor allem aus Thailand, Südafrika, Burkina Faso und Sri Lanka. Der langfristige Rückgang der Adoptionen fällt in eine Zeit, in der auch die Geburtenrate hierzulande weiter sinkt. Erst am Donnerstag hatte Destatis den Wert für 2025 mit 1,32 Kindern je Frau als weiteren Tiefstand ausgewiesen.