Ägypten hat sich in der Nacht auf Samstag nach 92 Jahren zurück ins Achtelfinale einer Fußball-WM gespielt. Im ausverkauften Dallas Stadium von Arlington setzten sich die Pharaonen gegen Australien nach einem 1:1 nach Verlängerung mit 4:2 im Elfmeterschießen durch. Wie wir am Freitag berichteten, war das Sechzehntelfinale das erste K.o.-Spiel der ägyptischen Verbandsgeschichte, in dem der Anpfiff mit einem Weiterkommen verbunden war. Die letzte Achtelfinal-Teilnahme datierte auf die WM 1934 in Italien, als das Turnier noch im K.o.-Modus mit 16 Mannschaften ausgetragen wurde. Am Dienstag um 18 Uhr MESZ trifft die Elf von Hossam Hassan im Mercedes-Benz Stadium von Atlanta auf Argentinien.
Ägypten war früh in Führung gegangen: In der 13. Minute köpfte Emam Ashour nach einer Freistoßflanke von Karim Hafez aus sechs Metern ein. Australien fand über eine gute Stunde kein Rezept gegen die kompakt gestaffelten Pharaonen. Erst in der 55. Minute fiel der Ausgleich, und ausgerechnet Mohamed Hany lenkte einen Freistoß von Aiden O'Neill unhaltbar ins eigene Tor. Für den Rechtsverteidiger war es laut ZDFheute bereits das zweite Eigentor in diesem Turnier - Rekord in der WM-Historie. In der Verlängerung neutralisierten sich beide Teams, ehe Trainer Tony Popovic in der 119. Minute den Torwart wechselte: Patrick Beach ging vom Feld, Kapitän Mathew Ryan kam als Elfmeterschütze-Killer aufs Feld.
Ich weiß nicht, ob das meine letzte WM ist oder nicht. Aber ich musste es einfach machen. Ich wollte der Mannschaft Sicherheit geben.
Popovics Torwartwechsel geht nicht auf
Popovics Schachzug scheiterte spektakulär. Ryan bekam keinen der ägyptischen Versuche zu fassen, während sein Team am Punkt zerbrach. Kapitän Harry Souttar setzte den Auftaktschuss über die Latte. Auch der 18 Jahre alte Einwechsel-Debütant Lucas Herrington scheiterte an der Querlatte. Jackson Irvine und Awer Mabil trafen für Australien, doch bei Ägypten verwandelten Mahmoud Saber, Mohamed Rabia, Salah und schließlich Hossam Abdelmaguid ohne zu zittern. Salah, der zuvor mit einer Oberschenkelblessur zurückgehalten worden war und im Spielverlauf blass geblieben war, entschied sich im dritten Versuch für einen Chip in die Tormitte - eine Panenka, die Ryan in die Ecke fliegen ließ. Danach klärte Abdelmaguid mit dem entscheidenden Schuss.
Für Ägypten war es der erste K.o.-Sieg bei einer Weltmeisterschaft überhaupt. Bei den bisherigen drei Turnierteilnahmen 1934, 1990 und 2018 war jeweils in der Vorrunde beziehungsweise 1934 direkt im ersten Achtelfinal-Duell Schluss. Salah selbst nannte das Ergebnis nach Abpfiff einen „historischen Moment“, wie unter anderem die Sportschau berichtete. Er habe seinen Mitspielern vor Anpfiff eingeschärft, die größtmögliche Bühne zu genießen. Für Hany war das Eigentor bereits die zweite Selbstbeschädigung dieser WM: In der Vorrunde hatte er beim 1:1 gegen Belgien nach einer Flanke von Thomas Meunier den Ausgleich für Romelu Lukakus Team ins eigene Netz gestochert. Australien verabschiedete sich mit dem Aus in Arlington von einer Generation, die in Doha 2022 überraschend das Achtelfinale erreicht hatte.
Nächster Gegner: Argentinien in Atlanta
Ägyptens Belohnung wird kein Selbstläufer. Im Achtelfinale wartet Weltmeister Argentinien, das sich am Freitagabend erst in der Verlängerung gegen Kap Verde durchgesetzt hatte. Es wäre das erste WM-Duell zwischen Salah und Lionel Messi. Der 34-jährige Liverpool-Star gilt aufgrund der Blessur am linken Oberschenkel für den Dienstag als angeschlagen, dürfte in Atlanta aber auflaufen. Hassan, der in der Vorrunde beim 1:1 gegen Iran und dem 1:1 gegen Belgien für Furore gesorgt hatte, wird nach dem Kraftakt gegen Australien vermutlich in der Zentrale rotieren müssen. Für die einzigen verbliebenen afrikanischen Vertreter im Turnier - Marokko und Ägypten - beginnt jetzt die eigentliche Weltmeisterschaft.