Der Flughafen Catania auf Sizilien bleibt bis Samstagmorgen um 2.00 Uhr gesperrt. Der Ätna, Europas größter aktiver Vulkan, wirft seit einer Woche Asche und Lava aus. Mitten in der Hochsaison sitzen dadurch rund 30.000 Urlauberinnen und Urlauber auf der Insel fest, viele davon aus Deutschland.
Zwischen dem 6. und 12. August wurden nach Angaben der Betreibergesellschaft SAC rund 36 Prozent aller geplanten Flüge gestrichen. Die Auswirkungen auf die Flughafeninfrastruktur seien die schwersten der vergangenen 20 Jahre, teilte das Unternehmen mit. Der Handelsverband Assoesercenti schätzt die wirtschaftlichen Schäden allein durch Flugausfälle auf 12 bis 24 Millionen Euro.
Der Ausbruch hatte am Abend des 6. August mit strombolianischen Explosionen begonnen und sich rasch zu einer Ascheeruption ausgeweitet. Nach Angaben des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) sind derzeit zwei Schlote in rund 2.360 und 2.750 Metern Höhe aktiv, aus denen dicke Lavaströme und große Aschewolken austreten. Am Montag öffnete sich zusätzlich ein neuer Krater im Valle del Bove auf etwa 1.900 Metern. Die Aschewolke reichte zeitweise bis nach Malta, wo ebenfalls Flüge gestrichen werden mussten.
Die einzige Gewissheit ist, dass es keine Gewissheiten gibt.
INGV-Vulkanologe Stefano Branca dämpfte die Hoffnung auf eine schnelle Entspannung. Die aktuelle Aktivität sei vergleichsweise gering, ob und wann die Eruption ende, lasse sich aber nicht vorhersagen. Entscheidend für den Flughafenbetrieb ist die Windrichtung: Sobald sie den Ätna auf Catania zutreibt, sammeln sich Ascheteilchen auf den Startbahnen an, die für Triebwerke ein erhebliches Risiko darstellen. Die Behörden hatten in der vergangenen Woche zeitweise die Alarmstufe Rot ausgerufen.
Umleitungen und Wucherpreise
Zahlreiche Maschinen wurden nach Palermo umgeleitet, die Bahngesellschaft Trenitalia setzte zusätzliche Verbindungen zwischen Palermo und Catania ein. Auf sozialen Netzwerken kursierten Berichte über Wucherpreise für Weitertransporte, das Schweizer Portal 20 Minuten berichtete von Bustransfers, für die Reisenden bis zu 700 Euro abverlangt worden seien. Catania fertigt normalerweise rund zehn Millionen Passagiere pro Jahr ab und ist damit einer der wichtigsten Flughäfen Süditaliens.
Anders als der Flugverkehr floriert der Vulkantourismus. Bergführer melden hohe Nachfrage nach nächtlichen Touren, die glühenden Lavaströme sind über weite Strecken zu sehen. Für viele Urlauberinnen und Urlauber, die zwischen umgeleiteten Rückflügen und ausgebuchten Fähren feststecken, ist das kein Trost.