Wenn am Donnerstagabend um 21 Uhr deutscher Zeit das Licht im Aztekenstadion angeht und Mexiko gegen Südafrika die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 eröffnet, sitzen auf den beiden Trainerbänken zwei Männer, die diesen Rasen schon einmal von ganz nah gesehen haben. Javier Aguirre, 67, mexikanischer Nationaltrainer. Hugo Broos, 74, Cheftrainer Südafrikas. Beide waren 1986 als Spieler im selben Stadion bei der Weltmeisterschaft dabei - vor genau vierzig Jahren, ebenfalls in Mexiko.
Die Verbindung ist mehr als Folklore. Am 3. Juni 1986 trafen Mexiko und Belgien im Aztekenstadion aufeinander, die Mexikaner gewannen mit 2:1. Hugo Broos, damals 34 Jahre alt und Innenverteidiger, stand für die Belgier in der Startelf. Aguirre, mit 27 Jahren defensiver Mittelfeldspieler im Kader des Gastgebers, gehörte zu jener Mannschaft, die sich bis ins Viertelfinale spielte. Dort, ebenfalls im Aztekenstadion, schied Mexiko gegen Deutschland im Elfmeterschießen aus - und Aguirre ging als erster mexikanischer Spieler in die WM-Geschichte ein, der bei einer Endrunde des Feldes verwiesen wurde.
Auf der Pressekonferenz am Mittwoch hat Aguirre die Erinnerung selbst aufgemacht. „Ich erinnere mich daran, wie selbstbewusst wir waren, bevor wir gegen Belgien gespielt haben“, sagte der Trainer, wie Sport1 und das Portal fussballnationalmannschaft.net berichten. Es war seine Antwort auf die Frage, was er seinen Spielern mitgebe. „Es gibt nichts Schöneres, als in seiner Heimat zu spielen.“ Viele seiner Profis seien noch nicht geboren gewesen, als Mexiko zuletzt 1986 eine WM ausgerichtet habe.
Ich erinnere mich daran, wie selbstbewusst wir waren, bevor wir gegen Belgien gespielt haben.
Für Broos schließt sich am Donnerstag ein Kreis, an den er selbst lange nicht mehr gedacht hatte. Sein letztes Länderspiel als Aktiver bestritt der Belgier am 11. Juni 1986 - auf den Tag genau vor vierzig Jahren - im Aztekenstadion, beim 2:2 gegen Paraguay in der Vorrundenphase. Danach trat er aus dem Nationalteam zurück. Belgien schaffte es bei jenem Turnier bis ins Halbfinale, scheiterte an Argentinien mit Maradona und wurde am Ende Vierter. Broos kommt nun, wie er in der vergangenen Woche unter anderem gegenüber t-online sagte, zum ersten Mal seit 1986 in das Stadion zurück. Es soll auch seine letzte WM sein: Nach dem Turnier will er als Trainer aufhören.
Vom Spielerrasen auf die Trainerbank
Die beiden Karrieren liefen nach 1986 in entgegengesetzte Richtungen. Aguirre, in Mexiko-Stadt geborener Sohn baskischer Einwanderer und seit jeher el Vasco genannt, wurde später dreimal Nationaltrainer: 2002 in Südkorea, 2010 in Südafrika, jetzt 2026 daheim. Im Vereinsfußball coachte er Atlético Madrid, Espanyol und Osasuna in Spanien. Broos arbeitete sich vom KSC Lokeren über RSC Anderlecht und Trabzonspor nach Afrika hoch, gewann 2017 mit Kamerun den Afrika-Cup und übernahm 2021 Südafrika. Den Job will er nach diesem Sommer abgeben.
Sportlich ist die Partie alles andere als symmetrisch. Mexiko ist Gastgeber, Vorrundengruppe A, und hat in den Tests gegen Australien (1:0) zuletzt Sicherheit gewonnen. Südafrika kehrt erstmals seit 2010 zu einer WM-Endrunde zurück. Im Tor und mit Kapitänsbinde wird Ronwen Williams stehen, davor Mittelfeldstratege Teboho Mokoena. Sechzehn der 26 Bafana-Profis spielen bei nur zwei Klubs, den Mamelodi Sundowns und den Orlando Pirates - eine Mannschaft, die sich aus der heimischen Liga heraus aufgestellt hat. „Mexiko ist ein sehr komplettes Team, in jedem Bereich gefährlich“, warnte Broos vor dem Auftakt.
Sampaio pfeift, Shakira singt
Das Spiel leitet der Brasilianer Wilton Sampaio, schon 2022 in Katar im Einsatz. Rund 90 Minuten vor dem Anpfiff steigt die Eröffnungsfeier mit der Weltpremiere des FIFA-Songs „Dai Dai“ von Shakira und Burna Boy. In Deutschland übertragen ZDF und MagentaTV ab 21 Uhr, das ZDF beginnt vorher mit der Show. Für die beiden Trainerbänke ist das Drumherum allerdings Beiwerk. „Es gibt nichts Schöneres, als in seiner Heimat zu spielen“, hat Aguirre gesagt. Sein Gegenüber Broos hat es vor vierzig Jahren erlebt, wie es war, im Aztekenstadion gegen die Heimmannschaft anzutreten. Diesmal wird er es von der Seitenlinie aus sehen.