Alphaville tritt an diesem Freitag nicht beim Glücksgefühle-Festival auf dem Hockenheimring auf. Nachdem die Veranstalter Lukas Podolski und Markus Krampe die Synth-Pop-Band am Mittwoch zunächst ausgeladen und den Schritt am Donnerstag zurückgenommen hatten, lehnte Sänger Marian Gold die Rückkehr ab. Die Bühne, so die Band, sei durch die vorangegangenen Äußerungen der Organisatoren mit einer Atmosphäre belastet, die einen Auftritt nicht mehr trage.

Krampe hatte am Donnerstag gegenüber dem Tagesspiegel eingeräumt: „Wie wir gehandelt haben, war in der Tat ein Fehler. Das tut mir leid.“ Und weiter: „Meinungsfreiheit ist das höchste Gut, das wir in Deutschland haben.“ Die Ausladung war Mitte der Woche über den Bandmanager Christian Mielke kommuniziert worden. Als Begründung hieß es in der Nachricht an Gold, man dulde „keinerlei politische Themen oder Aussagen auf unserer Bühne“, und wolle sich daher von einem Alphaville-Auftritt distanzieren.

Auslöser war laut Mielke Golds Positionierung gegen Rechts während des Songs „Carry Your Flag“ bei zurückliegenden Konzerten. Der 72-jährige Sänger hatte die Ausladung öffentlich als „völlig inakzeptabel und erschütternd“ bezeichnet und mit „einem Maulkorb-Erlass, wie wir ihn alle nur zu gut aus Diktaturen kennen“ verglichen. In dem von der Band verbreiteten Statement schrieb er, es gehe um „Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit“, die Alphaville weiterhin für „Freiheit, Toleranz und Demokratie“ verteidigen werde.

Wie wir gehandelt haben, war in der Tat ein Fehler. Das tut mir leid.
- Markus Krampe, Mitveranstalter des Glücksgefühle-Festivals, im Tagesspiegel

Die Kehrtwende der Organisatoren folgte binnen 24 Stunden. „Wir laden Alphaville ein, wie geplant Teil des Festivals zu sein“, teilte Krampe mit, der das Festival seit 2023 gemeinsam mit dem früheren Nationalspieler Lukas Podolski verantwortet. Alphaville dankte für die Entschuldigung, blieb bei der Absage - und kündigte an, die vereinbarte Gage einer gemeinnützigen Organisation zu spenden.

Debatte um die „unpolitische Bühne“

Die Begründung der Organisatoren, ihre Bühne sei „komplett unpolitisch - egal in welche politische Richtung eine Aussage geht“, steht im Widerspruch zum Line-up. Auf der Bühne des Hockenheimrings stehen an diesem Wochenende unter anderem David Guetta, No Angels, Marteria, Mark Forster sowie der wegen konservativer Äußerungen wiederholt in der Kritik stehende Andreas Gabalier. Wie Rolling Stone anmerkt, wirft die selektive Anwendung der eigenen Regel Fragen auf.

Alphaville hatte in der Vergangenheit bereits juristisch verhindert, dass Songs wie „Forever Young“ für Wahlkampfzwecke der AfD oder von Donald Trump genutzt werden. Marian Gold gilt seit Jahrzehnten als Fürsprecher demokratischer Grundwerte. Die Solidarität aus dem Musikbetrieb war nach der Ausladung schnell erkennbar, mehrere Künstlerinnen und Künstler äußerten sich kritisch. Ob weitere Acts absagen, ist bislang offen.