Mirra Andrejewa hat am Samstagnachmittag in Paris ihren ersten Grand-Slam-Titel geholt. Die 19-jährige Russin schlug die polnische Qualifikantin Maja Chwalinska auf dem Court Philippe Chatrier mit 6:3, 6:2 und ist damit die jüngste Roland-Garros-Siegerin seit Monica Seles 1992. Wie wir am Donnerstag berichteten, war die als Nummer 114 der Weltrangliste geführte Chwalinska als erste Qualifikantin überhaupt in ein French-Open-Endspiel eingezogen - die ganz große Sensation blieb am Samstag aber aus.
Schon der erste Punkt des Finales gab den Ton vor: Doppelfehler Chwalinska. Andrejewa, in der Weltrangliste an Nummer acht geführt, ließ sich von den variablen Schlägen der Polin im ersten Satz noch ein paar Spiele lang aus dem Rhythmus bringen, ehe sie den Durchgang mit 6:3 unter Dach und Fach hatte. Im zweiten Satz machte sich Chwalinskas Pensum bemerkbar - drei Qualifikationsmatches und fünf Hauptfeldsiege standen vor dem Endspiel in ihren Beinen. Ihre Stopps fielen jetzt kürzer aus, die Vorhand zog länger, die Slices verloren an Höhe. Andrejewa stabilisierte sich trotz des Windes, der bei den Aufschlagspielen beider Seiten die Sicherheitsraten drückte, und nutzte ihren ersten Matchball mit einer Rückhand cross. Dann sank sie auf der Asche in die Knie.
Auf der Tribüne saß Conchita Martínez, Wimbledon-Siegerin von 1994 und seit über zwei Jahren Andrejewas Trainerin. Die Verbindung zwischen der 53-jährigen Spanierin und der 19-jährigen Russin gilt im Tour-Umfeld eher als Schwester-Verhältnis denn als klassisches Coach-Spielerin-Gespann.
Wir können schon mal hart zueinander sein. Aber außerhalb des Spielfelds haben wir natürlich ein freundschaftliches Verhältnis.
Märchen ohne Pokal
Für Chwalinska endet das Pariser Märchen ohne Trophäe, aber nicht ohne Folgen. Die 24-Jährige aus Dabrowa Gornicza wird laut Tagesspiegel die niedrigstplatzierte French-Open-Finalistin seit Einführung der WTA-Rangliste 1975. Das Preisgeld von 1,4 Millionen Euro verdoppelt nach Angaben der Zeitung ihre bisherige Karrierebilanz. In der neuen Weltrangliste klettert sie von Platz 114 auf 21 - ein Sprung, den vor ihr keine Qualifikantin geschafft hat. Den einzigen Major-Titel einer Qualifikantin gewann bislang Emma Raducanu 2021 in New York.
Sonntag Zverev
Damit verschiebt sich der deutsche Blick nach Paris auf Sonntag. Im Herren-Finale trifft Alexander Zverev auf den Italiener Flavio Cobolli, Sportschau und Eurosport übertragen ab 15 Uhr. Andrejewa, die wie alle russischen Profis seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs unter neutralem Status antritt, hatte im gesamten Turnier nur einen einzigen Satz abgegeben. „Ich werde mit jedem Match etwas reifer, etwas erfahrener. Ich bin jetzt in der Lage, jedes Match anders anzugehen“, sagte sie schon nach dem Halbfinale gegenüber der Sportschau. In zwei Wochen beginnt die Rasensaison.