Angelica Domröse ist tot. Die Schauspielerin, die als Paula in Heiner Carows Defa-Film „Die Legende von Paul und Paula“ zur Ikone des DDR-Kinos wurde, starb am Freitagmorgen in Berlin im Alter von 85 Jahren. Die Defa-Stiftung bestätigte den Tod, über den zuerst die „Superillu“ und der MDR berichtet hatten.

Mit dem 1973 entstandenen Film schrieb Domröse an der Seite von Winfried Glatzeder Filmgeschichte. Ihre Paula, eine alleinerziehende Mutter, die sich gegen Konventionen und Anpassung stellt, wurde für ein Millionenpublikum zur Identifikationsfigur. „Die Legende von Paul und Paula“ zählt bis heute zu den meistgesehenen und prägendsten Filmen des deutschen Kinos.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich betroffen. „Die Nachricht vom Tode Angelica Domröses hat mich sehr traurig gemacht“, erklärte er. Domröse sei „auf der Bühne wie im Film eine der prägendsten Schauspielerinnen unseres Landes“ gewesen, als Paula sei sie zur Identifikationsfigur einer ganzen Generation von Frauen geworden.

Angelica Domröse war auf der Bühne wie im Film eine der prägendsten Schauspielerinnen unseres Landes, ihr Werk spiegelt die jüngere deutsche Geschichte wider.
- Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident

Domröse, 1941 in Berlin geboren, war zunächst einer der großen Namen des ostdeutschen Films und Theaters - zu sehen unter anderem in der mehrteiligen Fernsehproduktion „Wege übers Land“ und in Defa-Literaturverfilmungen, dazu auf den Bühnen von Volksbühne und Berliner Ensemble. Nachdem sie 1976 die Protestresolution gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann mitgetragen hatte, wurde sie in der DDR zunehmend kaltgestellt.

1980 verließ sie das Land Richtung West-Berlin, gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Schauspieler Hilmar Thate, der 2016 starb. Anders als vielen Übersiedlern gelang ihr auch im Westen ein zweites Karriereleben, in Theater- und Fernsehrollen bis hin zu Ermittlerfiguren im „Polizeiruf 110“. Ihren letzten Kinoauftritt hatte sie 2012 in der Komödie „Bis zum Horizont, dann links!“; zuletzt war es still um sie geworden.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer würdigte Domröse als „große Schauspielerin, die uns als ‚Paula‘ lehrte, dass Liebe und Freiheit keine Kompromisse dulden“. Sie sei „nicht nur das Gesicht einer der größten Erfolge des DDR-Kinos, sondern auf den Theaterbühnen von Ost und West und in zahlreichen Fernsehproduktionen eine unverwechselbare Charaktergröße“ gewesen. Der Filmkritiker Knut Elstermann sagte im MDR: „Viele junge Frauen und - nicht nur junge Frauen - haben sich in ihr wiedererkannt und haben gespürt: Sie ist eine von uns und sie träumt wie wir.“ Der deutsche Film verliert mit ihr binnen weniger Tage eine zweite prägende Figur - kurz zuvor war der Schauspieler Günther Maria Halmer gestorben.