Owen Ansah hat seinen Titel bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften über 100 Meter verteidigt. Der Hamburger überquerte die Ziellinie am Samstagabend im ausverkauften Lohrheidestadion in Bochum-Wattenscheid in 10,00 Sekunden - eine Hundertstel über dem Meisterschaftsrekord, den er selbst hält, und zwei Hundertstel über seinem deutschen Rekord von 9,98 Sekunden aus dem Juni. Silber ging an Heiko Gussmann vom Sprintteam Wetzlar in 10,06, Bronze holte dessen Vereinskollege Kevin Kranz in 10,16.
14.000 Zuschauer waren zu dem Sprint gekommen, den Ansah unter dem Eindruck einer laufenden Untersuchung der Nationalen Anti-Doping-Agentur bestreiten musste. Die Nada wirft dem 25-Jährigen vor, Anfang Juli vor seiner Abreise zum Diamond-League-Meeting in Monaco eine Doping-Kontrolle verweigert zu haben. Sein Anwalt teilte gegenüber der Sportschau mit, Ansah werde sich „umfassend“ gegenüber der Behörde äußern; der Sprinter selbst hat öffentlich zunächst nur einen zeitlichen Konflikt eingeräumt: Die Kontrolleurin habe „außerhalb meines Zeitfensters“ geklingelt.
Auf der Bahn war von der Debatte wenig zu sehen. „Dieses Jahr habe ich extra hart trainiert, um solche Zeiten hierherzubringen“, sagte Ansah nach dem Lauf im ZDF. „Ich wollte zeigen, dass ich der schnellste Deutsche bin. Und das habe ich gut geschafft.“ Nach dem Zieleinlauf drehte der Sprinter des Hamburger SV eine Ehrenrunde vor der ausverkauften Kurve.
Ich wollte zeigen, dass ich der schnellste Deutsche bin.
Startberechtigt trotz Ergebnismanagement-Verfahren
Eine vorläufige Sperre hat die Nada nicht verhängt, weil kein positiver Test vorliegt. Regelkonform blieb Ansahs Startberechtigung damit bestehen. Eine Entscheidung im Ergebnismanagement-Verfahren wird nach ZDF-Angaben nicht vor Beginn der Leichtathletik-EM in Birmingham vom 10. bis 16. August erwartet, für die der Deutsche Leichtathletik-Verband ihn nominieren dürfte. Bei einem Schuldspruch drohen Sperren von mehreren Jahren, ohne dass die Zeit von Wattenscheid davon berührt wäre.
Neben Ansahs Sieg lieferte der zweite Wettkampftag in Wattenscheid weitere Bestmarken. Franziska Schuster egalisierte über 100 Meter Hürden mit 12,69 Sekunden den Meisterschaftsrekord und verbesserte ihre persönliche Bestleistung um mehr als zwei Zehntel. Weitspringer Simon Batz landete bei 8,29 Metern und damit im weitesten Sprung seiner Karriere im Freien. Das Lohrheidestadion war für beide Wettkampftage ausverkauft.