Owen Ansah hat bei der Leichtathletik-EM in Birmingham Bronze über 100 Meter gewonnen - die erste deutsche Medaille auf der Kurzstrecke seit 40 Jahren. Zwei Tage später steht die Frage im Raum, ob der Sprinter des Hamburger SV die Plakette behalten darf. Die Nationale Anti Doping Agentur (Nada) hält an ihrer Forderung nach einer vierjährigen Sperre fest, wie Sport1 und Sports Illustrated am Mittwoch berichteten.
Wie wir am 7. August berichteten, wirft die Nada dem 25-Jährigen eine verweigerte Kontrolle vom 9. Juli vor. Ansah bestreitet den Vorwurf und darf in Birmingham ohne vorläufige Suspendierung starten. Am Montagabend lief er im Alexander Stadium in 10,19 Sekunden auf Rang drei, hinter den Briten Romell Glave (10,09) und Jeremiah Azu (10,16). Titelverteidiger Lamont Marcell Jacobs schied verletzt aus.
Dass die Bronzemedaille noch aberkannt werden könnte, wenn das Deutsche Sportschiedsgericht (DIS) die Sperre bestätigt, wollte Ansah nach dem Rennen nicht überschatten lassen. „Ich bin einfach nur glücklich“, sagte er im ZDF-Interview. Auf die Frage nach dem Verfahren erklärte er der Nachrichtenagentur dpa: „Ich kann das andere nicht beeinflussen. Ich kann nur beeinflussen, wie schnell ich auf der Bahn bin.“
Ich kann das andere nicht beeinflussen. Ich kann nur beeinflussen, wie schnell ich auf der Bahn bin.
Verfahren beim Sportschiedsgericht läuft
Die Nada hat die Sperre beim DIS beantragt, weil Ansah die von ihr geforderte Sanktion nicht akzeptiert hat. Nach Angaben von t-online würde sich die Höchststrafe auf drei Jahre reduzieren, sollte der Sprinter das Verfahren innerhalb von 20 Tagen nach einer möglichen Sanktionsmitteilung anerkennen. In diesem Fall wäre Ansah bei einer Wiederzulassung fast 30 Jahre alt.
Der Deutsche Leichtathletik-Verband hatte Ansah nur für die Einzelrennen über 100 und 200 Meter nominiert, aber aus der Sprintstaffel gestrichen, um mögliche Medaillen der Teamkollegen im Fall einer nachträglichen Disqualifikation zu schützen. Über 200 Meter startet der deutsche Rekordhalter (9,98 Sekunden) am Donnerstag in die Vorläufe.
Ansahs Verteidigung stützt sich weiterhin auf den Ablauf der Kontrolle am 9. Juli. Der Kontrolleur habe außerhalb des von ihm im Whereabouts-System angegebenen Zeitfensters an seiner Wohnadresse geklingelt, argumentiert sein Anwalt gegenüber der Sportschau. Ansah habe kurz zuvor die Toilette benutzt und sei unter Zeitdruck vor einem Flug zum Diamond-League-Meeting in Monaco gestanden. Eine grundsätzliche Verweigerung habe es nicht gegeben.
Wie hart die Regeln in solchen Fällen ausgelegt werden, zeigt der Fall der tschechischen Tennisspielerin Markéta Vondroušová: Sie wurde nach Angaben der Sports Illustrated im Juni 2026 für vier Jahre gesperrt, obwohl sie eine Angststörung als Grund für die verweigerte Kontrolle im Dezember 2025 angeführt hatte. Ob und wann das DIS im Fall Ansah entscheidet, ist offen. Bis dahin bleibt die Birminghamer Bronzemedaille des Hamburgers vorläufig.