Drei Tage vor dem Start der Leichtathletik-EM in Birmingham hat die Nationale Anti Doping Agentur (Nada) eine vierjährige Sperre gegen den deutschen 100-Meter-Rekordler Owen Ansah beantragt. Grund ist nach Angaben der Nada eine verweigerte Dopingprobe am 9. Juli, dem Tag von Ansahs Abreise zum Diamond-League-Meeting in Monaco. Wie die Sportschau am Freitag berichtete, wirft die Behörde dem 25 Jahre alten Hamburger einen Verstoß gegen Artikel 2.3 des Nationalen Anti-Doping-Codes vor. Akzeptiert Ansah den Vorschlag, verkürzt sich die Sperre automatisch auf drei Jahre.

Ansah, der im Juni in 9,98 Sekunden erstmals unter zehn Sekunden lief und den deutschen Rekord auf diese Marke schraubte, weist die Darstellung zurück. „Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt geweigert, eine Dopingprobe durchzuführen“, zitiert Sport1 seinen Anwalt Rainer Tarek Cherkeh. Der Jurist kündigte an, sein Mandant werde den Bescheid „nicht akzeptieren“ und fokussiere sich zunächst auf die EM. Ansah stehen 20 Tage Zeit, um dem Verfahren zu widersprechen und ein Disziplinarverfahren zu erzwingen.

Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt geweigert, eine Dopingprobe durchzuführen.
- Rainer Tarek Cherkeh, Anwalt von Owen Ansah, gegenüber Sport1

Weil die Nada keine vorläufige Suspendierung verhängt hat, kann Ansah in Birmingham antreten. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hatte den Sprinter für die 100 und 200 Meter nominiert, ihn aber aus der Staffel gestrichen. „Wie geplant“ gehe Ansah über die Einzelstrecken an den Start, für die Staffel stehe er dagegen nicht zur Verfügung, sagte DLV-Sportdirektor Jörg Bügner. Hintergrund ist der Antrag der Nada, alle Wettkampfergebnisse Ansahs seit dem 9. Juli zu annullieren. Betroffen wären auch die deutschen Meistertitel über 100 und 200 Meter, die er Ende Juli vor 14.000 Zuschauern in Wattenscheid gewonnen hatte.

Streit über die Testsituation zu Hause

Die Umstände der Kontrolle am 9. Juli sind zwischen Nada und Verteidigung strittig. Nach der Darstellung der Behörde erschien ein Kontrolleur an Ansahs Wohnadresse und erhielt keine Probe. Ansahs Anwalt argumentiert, der Kontrolleur habe außerhalb des angemeldeten Testfensters geklingelt, sein Mandant habe zuvor die Toilette aufgesucht. „Unser Mandant Owen Ansah hat sich zu keinem Zeitpunkt geweigert“, betont Cherkeh gegenüber der Sportschau. Dopingexperte Hajo Seppelt verwies in der ARD darauf, dass es der Nada „freistehe“, einen Athleten zu suspendieren - was sie in diesem Fall bewusst nicht getan habe.

Für Ansah geht es in Birmingham auch um seine Karriere. Der Sprinter des Hamburger SV, der in Mannheim trainiert, gilt seit dem Fabelrekord von Hannover als deutsche Medaillenhoffnung. „Ich habe mega Lust zu rennen“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa vor der Abreise. Sollte am Ende des Verfahrens die vom Nada beantragte Sperre stehen, verlöre er neben den Meistertiteln auch die Startberechtigung für die WM 2027 in Peking. Über die Zulassung zur Sprint-Staffel entscheidet der DLV nach Angaben Bügners erst kurzfristig - abhängig davon, wie die Rechtslage bis zum Wettkampftag aussieht.