Apple-Chef Tim Cook hat am Mittwoch im Wall Street Journal eingeräumt, dass der Konzern die seit Monaten steigenden Speicherchip-Kosten an die Kunden weitergeben muss. „Leider sind Preiserhöhungen unvermeidlich“, sagte Cook der US-Zeitung. Welche Produkte zu welchem Zeitpunkt teurer werden, ließ der scheidende Konzernchef ausdrücklich offen.

Hintergrund ist ein Engpass bei DRAM- und NAND-Flash-Speichern, der die gesamte Elektronikbranche unter Druck setzt. Der Aufbau neuer KI-Rechenzentren bei Hyperscalern wie Microsoft, Google und Meta hat die Nachfrage nach Speicher so stark anschwellen lassen, dass die Kapazitäten der wenigen Hersteller - Samsung, SK Hynix und Micron - dafür nicht reichen. Laut Marktdaten, auf die sich Euronews und das Handelsblatt berufen, haben sich die Preise bestimmter Speicherklassen binnen eines Jahres versechsfacht.

Leider sind Preiserhöhungen unvermeidlich.
- Tim Cook, Wall Street Journal

Wie deutlich das auf Apples Margen durchschlägt, zeigen Schätzungen des Branchenanalysten TechInsights, die Euronews zitiert: Demnach dürften Speicher- und Flash-Komponenten in einem iPhone 18 Pro Apple rund 196 US-Dollar in der Materialkalkulation kosten, gegenüber etwa 52 Dollar im aktuellen iPhone 17 Pro. Das iPhone 17 startet im deutschen Apple Store derzeit bei 949 Euro, das iPhone 17 Pro bei 1.299 Euro. Eine neue iPhone-Generation wird traditionell im September vorgestellt.

Apple ist nicht der erste Hersteller, der die Reißleine zieht. Wie t-online berichtet, haben mehrere PC-Hersteller und Anbieter von Spielkonsolen ihre Preise bereits angehoben, weitere große Elektronikhändler signalisieren, dass die Aufschläge bei Speicher nicht mehr ohne Weitergabe an Endkunden zu absorbieren seien. Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley rechnen branchenweit mit deutlichen Korrekturen: Um die höheren Speicherkosten vollständig auszugleichen, müssten Smartphone-Preise nach ihrer Modellrechnung um 34 Prozent steigen, PC-Preise um 67 Prozent und Server-Preise sogar um 83 Prozent.

Cooks Ansage fällt in eine sensible Phase. Der 65-Jährige übergibt am 1. September den Chefposten an seinen designierten Nachfolger John Ternus, bislang Vice President für Hardware Engineering. Damit wird die kommende September-Keynote zugleich Ternus' erster großer Auftritt und der Anlass, auf dem die angekündigten Preisaufschläge erstmals konkret werden dürften. Apple hatte sich zuletzt über langlaufende Lieferverträge gegen Chip-Volatilität abgesichert, dieser Puffer reicht nach Konzernangaben nun nicht mehr aus.