Am Ende hebt Enzo Fernández nur noch den Kopf, und das Mercedes-Benz Stadium in Atlanta explodiert. Zwei Minuten Nachspielzeit, ein Freistoss aus dem Halbfeld, Fernández kommt vor Torhüter Mostafa Shobeir an den Ball und trifft zum 3:2. Argentiniens Achtelfinale gegen Ägypten am Dienstag ist das dramatischste Spiel dieser WM 2026 - und der amtierende Weltmeister steht nach einem 0:2-Rückstand im Viertelfinale, wo am Sonntag die Schweiz wartet.
Vor der Aufholjagd stand ein Spiel, das man dem Titelverteidiger nicht zugetraut hätte. Yasser Ibrahim traf schon in der 15. Minute nach einer Ecke, ein Konter über Mostafa Zico brachte in der 67. Minute das 0:2. Dazwischen scheiterte Lionel Messi in der 21. Minute vom Elfmeterpunkt - Shobeir parierte, es war laut SRF-Bericht Messis zweiter verschossener Strafstoss in Folge bei dieser Weltmeisterschaft, ein Novum in der WM-Geschichte. Erst nach Zicos Tor kam die Wende: Cristian Romero köpfte in der 79. Minute, Messi glich in der 83. Minute per Direktabnahme aus - sein achtes Turniertor und der 21. WM-Treffer seiner Karriere. Fernández machte den Rest.
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Scaloni am Rand, Messi kompromisslos
Argentiniens Trainer Lionel Scaloni wirkte nach dem Schlusspfiff sichtbar mitgenommen und sprach gegenüber der Sportschau von einer Mannschaft, die er kaum noch fassen könne. Messi selbst wählte in der Mixed Zone knappe Sätze: „We never give up“, sagte der 39-Jährige, das Comeback nannte er schlicht verrückt. Torschütze Fernández, dessen Kopfballtreffer wegen eines möglichen Foulspiels im Aufbau vom französischen Schiedsrichter François Letexier zunächst überprüft, dann aber anerkannt wurde, nannte den Abend gegenüber der Sportschau ein „großes Privileg“.
Was das Viertelfinale bringt
Für die Nati unter Murat Yakin, die zeitgleich in Vancouver Kolumbien im Elfmeterschiessen bezwang, wird das Duell mit Argentinien am Sonntag in Kansas City zur grössten sportlichen Aufgabe seit der Heim-WM 1954. Argentinien hat in dieser WM zwar viermal gewonnen, aber selten überzeugt: Gegen Ägypten war der Weltmeister neunzig Minuten lang von einem Aus entfernt, allein Messis Rekord-Zielstrebigkeit und die späte Standardstärke retteten die Runde. Wenn Scaloni die Titelverteidigung schaffen will, muss seine Elf gegen die Schweiz stabiler stehen als in Atlanta.