Kurz nach 18 Uhr Ortszeit setzt am Montag der Charterflug aus Newark auf dem Flughafen Ministro Pistarini in Ezeiza auf. Wie wir am Sonntag berichteten, hatte Argentinien das WM-Finale im MetLife Stadium mit 0:1 nach Verlängerung gegen Spanien verloren. Der Empfang, den Präsident Javier Milei am Vortag noch mit einem nationalen Feiertag krönen wollte, fällt an diesem Abend deutlich kleiner aus - und ohne den Kapitän.

Als Erster steigt Vize-Kapitän Nicolás Otamendi die Gangway hinunter, gefolgt von Bundestrainer Lionel Scaloni und AFA-Präsident Claudio Tapia, wie das argentinische Nachrichtenportal Infobae berichtet. Auf dem roten Teppich spielt die Kapelle des Granadero-Regiments „Muchachos, Ahora Nos Volvimos a Ilusionar“, die inoffizielle Hymne der Selección. Ranghohe Regierungsvertreter fehlen. Die Casa Rosada hatte am Vorabend erklärt, den Empfang „entpolitisieren“ zu wollen. Milei war seiner Linie treu geblieben, wonach sich die Politik das Fußballfest nicht aneignen dürfe.

Lionel Messi und Rodrigo De Paul stehen nicht in der Maschine. Beide sind laut übereinstimmenden argentinischen Berichten aus New Jersey direkt nach Miami weitergereist, um sich Inter Miami anzuschließen. Messi will von dort in seine Heimatstadt Rosario reisen, wo er am Dienstag erwartet wird. Auf Instagram hatte der 39-Jährige am Sonntagabend geschrieben, der Schmerz sei „riesig“ und werde „Zeit brauchen, bis diese Wunde verheilt“, wie mehrere argentinische Medien und die österreichische Ligaportal-Redaktion zitieren. Enzo Fernández, Lautaro Martínez, Julián Álvarez und weitere Europa-Profis reisen von den USA direkt zu ihren Klubs weiter oder in den Urlaub.

Milei streicht den Feiertag

Damit fällt auch der Feiertag, den der Präsident am Sonntag noch auf X in Aussicht gestellt hatte. Milei hatte die Ausrufung an einen entsprechenden Wunsch aus dem Team geknüpft. „Angesichts der Unruhe bezüglich der Feierlichkeiten teile ich der Bevölkerung mit, dass der Tag, an dem gefeiert werden soll, je nachdem, wie sich die Spieler und der Trainerstab entscheiden, zum nationalen Feiertag erklärt wird“, hatte die Präsidenten-Botschaft laut NWZ gelautet. Weil sich Kader und Stab gegen zentrale Feiern entschieden, ist die Ausrufung nach Berichten von Infobae und der Wirtschaftszeitung Ámbito am Montag vom Tisch. Milei berief sich später darauf, die Nationalmannschaft habe „das sportliche Trauern“ respektiert wissen wollen.

Man verliert und man muss wieder aufstehen. Es ist sehr schwer, bis hierher zu kommen.
- Lionel Scaloni nach dem Finale, laut Sportschau

Scaloni hatte schon in New Jersey die Marschroute vorgegeben. Man müsse „das Ergebnis anerkennen“, sagte der Bundestrainer laut Sportschau nach dem Schlusspfiff. „Wenn man so alles gegeben hat, ist es sehr schwer, sich irgendetwas vorzuwerfen.“ Zur Zukunft von Messi ließ er die Tür offen: Es sei „kristallklar, dass er so lange spielt, wie er es möchte.“

Fans am Zaun, Konvoi ins Predio

Vor den Toren des AFA-Trainingsgeländes in Ezeiza, dem Predio, hatten sich seit dem Nachmittag mehrere hundert Fans versammelt, wie das Onlineportal MDZ berichtete. Ein Konvoi brachte die Spieler nach der protokollarischen Zeremonie direkt vom Rollfeld auf das Gelände; ein Balkonauftritt im Zentrum, wie ihn die Casa Rosada in ihrer ursprünglichen Planung noch vorgesehen hatte, entfällt. Der Buenos Aires Herald sprach von einer „gedämpften Stimmung trotz Fan-Applaus“ und stellte den nüchternen Ablauf ausdrücklich den 2022 aus Katar zurückgekehrten Weltmeister-Feiern gegenüber, als die Ankunft der Selección zum spontanen Straßenfest wurde.

In der Nacht zuvor hatte sich das Bild in der Innenstadt gedreht. Am Obelisken auf der Avenida 9 de Julio hatten sich nach Schlusspfiff trotz der Niederlage tausende Fans versammelt, wie die Buenos Aires Times schilderte. Nach mehreren Stunden räumte die Polizei den Platz mit Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen, es kam zu 15 Festnahmen. Bereits am Finaltag hatte die FIFA nach einer Rangelei zwischen Leandro Paredes und den spanischen Profis Gavi und Eric García nach dem Abpfiff ein Verfahren gegen den Argentinier eingeleitet, das die argentinische Delegation zusätzlich beschäftigt.

Am Dienstag sollen Otamendi, Emiliano Martínez und Alexis Mac Allister in ihre europäischen Klubs zurückkehren. Messi wird in Rosario erwartet. Ob es in den kommenden Wochen doch noch einen zentralen Empfang geben wird - im Sommer des Nordens spielt Inter Miami in der MLS, Argentiniens Ligabetrieb läuft ohnehin - hängt davon ab, ob sich die Führungsspieler dafür öffnen. Milei hat seine Ankündigung zurückgezogen, aber nicht widerrufen. Die Gewerkschaft ATE, die den Feiertag zuletzt am lautesten gefordert hatte, hat sich am Montagabend nicht mehr zu Wort gemeldet.