Argentinien hat das WM-Halbfinale gegen England mit 2:1 gewonnen und steht am kommenden Sonntag im Finale von East Rutherford. Im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta drehte der Titelverteidiger die Partie in einer Schlussphase, wie sie diese Nationalmannschaft im Turnier schon mehrfach gebraucht hat. Anthony Gordon hatte England in der 55. Minute in Führung gebracht, Enzo Fernández glich in der 85. Minute aus, Lautaro Martínez köpfte in der Nachspielzeit zum 2:1 ein. Lionel Messi bereitete beide argentinische Tore vor.
Beide Trainer hatten personell umgebaut. Thomas Tuchel stellte auf der englischen Seite um, wie kicker und Sportschau berichten, Reece James kehrte in die Startelf zurück, Morgan Rogers rückte auf die rechte Angriffsseite. Lionel Scaloni brachte auf argentinischer Seite Giovani Simeone statt Rodrigo De Paul, ein Zeichen für die frühere Präsenz vorn. Nach 20 Fouls in der ersten Halbzeit hatte Schiedsrichter Ismail Elfath alle Hände voll zu tun, ohne früh Gelb zu ziehen.
England schien nach Gordons Treffer auf dem Weg ins erste WM-Finale seit 1966. Tuchel ließ sein Team in einer tiefen Fünferkette verteidigen, gab die argentinische Feldhoheit an und setzte auf Konter. Doch die Passivität rächte sich in der 85. Minute: Nach einer schnell ausgeführten Ecke tauchte Messi am Strafraumrand auf und legte in den Rückraum, wo Fernández volley aus 16 Metern in die lange Ecke traf. Sieben Minuten später prallte ein Schuss von Alexis Mac Allister an den Pfosten, Messi eroberte den Abpraller und flankte flach auf den zweiten Pfosten. Dort stieg Martínez hoch und drückte den Ball über Torhüter Jordan Pickford ins Netz.
Was haben die Spieler damit zu tun?
Die Emotionalität hatte schon vor dem Anpfiff über dem Spiel gehangen. Argentiniens Vize-Präsidentin hatte England öffentlich attackiert, in Buenos Aires war der Falkland-Krieg von 1982 wieder Gesprächsstoff. Scaloni hatte auf der Pressekonferenz am Dienstag versucht, Sport und Geschichte zu trennen. „Wir denken an Argentinier, an Menschen, die wir im Krieg verloren haben. Aber das müssen wir von dem Spiel trennen“, sagte der Trainer nach Angaben von t-online. Tuchel hatte gekontert, jedes Team der Welt sei zu schlagen, und Jude Bellingham gegen Kritik aus Argentinien in Schutz genommen.
Am Sonntag gegen Spanien
Für Argentinien ist es das dritte WM-Finale in den vergangenen vier Turnieren und der zweite Finaleinzug in Folge. Messi steht mit 39 Jahren zum dritten Mal in seiner Karriere in einem Endspiel, nach 2014 in Rio und dem Titelgewinn 2022 in Katar. Spanien hatte am Dienstag in Dallas Frankreich 2:0 besiegt, Torschützen waren Mikel Oyarzabal und Pedro Porro. Anstoß im MetLife Stadium in East Rutherford ist am Sonntag um 21 Uhr MESZ.
England reist mit dem nächsten frühen Turnier-Aus nach Hause. Seit dem WM-Titel 1966 hat die Auswahl kein Endspiel einer Weltmeisterschaft mehr erreicht. Tuchel, seit November 2024 im Amt, hatte den Auftrag, diese Serie zu beenden. Am Mittwochabend in Atlanta blieb wieder einmal ein Halbfinale die Endstation, diesmal auf denkbar bittere Art.