„Las Malvinas son Argentinas“ - mit diesem Banner haben Argentiniens Spieler am Mittwochabend in Atlanta ihren 2:1-Sieg über England und den Einzug ins WM-Finale gefeiert. Wie Al Jazeera und Yahoo Sports aus dem Mercedes-Benz Stadium berichten, entrollten unter anderem Manchester-United-Verteidiger Lisandro Martínez, Tottenham-Kapitän Cristian Romero und der ehemalige Spurs-Profi Giovani Lo Celso das weiße Transparent nach dem Abpfiff. Die FIFA muss sich damit unmittelbar vor dem Endspiel am Sonntag mit einer politischen Botschaft auf dem Rasen befassen, die gegen ihr eigenes Regelwerk verstößt.
Mittelfeldspieler Leandro Paredes hielt die Linie öffentlich hoch. „Die Inseln werden immer argentinisch bleiben“, sagte er nach dem Spiel, wie Front Office Sports berichtet. Martínez ließ sich in eine Argentinien-Fahne einwickeln, in die zusätzlich der Umriss der Inseln und das Wort „Nuestra“ eingearbeitet war. Bereits vor dem Anpfiff hatte Vizepräsidentin Victoria Villarruel England als „Piraten-Usurpatoren“ bezeichnet, worüber wir am Vortag berichteten. Nach dem Schlusspfiff verlängerte sie ihre Kampagne mit einem Tribut an die Mannschaft auf X und griff die Formulierung des Spieler-Banners auf.
Der Weltverband reagierte zunächst nicht. Auf eine Anfrage von Al Jazeera nach dem Spiel habe die FIFA nicht sofort geantwortet, meldete der Sender. Der Stadion-Verhaltenskodex der FIFA verbietet „Banner, Fahnen, Flugblätter, Kleidungsstücke und andere Gegenstände politischer, beleidigender oder diskriminierender Natur“. Ein förmliches Verfahren wird durch die Disziplinarkommission eröffnet, die Videomaterial und Schiedsrichterberichte auswertet, bevor sie über Sanktionen entscheidet. Als wahrscheinlichste Konsequenz nennt das Portal Bolavip eine Geldstrafe für den argentinischen Verband AFA; ein Turnier-Ausschluss zwei Tage vor dem Finale gilt als „hochgradig unwahrscheinlich“.
Die Inseln werden immer argentinisch bleiben.
Präzedenzfälle und der Krieg von 1982
Präzedenzfälle liegen in beide Richtungen vor. 2014 verhängte die FIFA gegen die AFA eine Strafe von rund 36.000 US-Dollar, nachdem argentinische Spieler nach einem Testspiel gegen Slowenien ein Malvinas-Banner präsentiert hatten. Nach der Vorrunden-Partie gegen Ägypten in dieser WM verzichtete der Verband hingegen darauf, argentinische Fangesänge zum gleichen Thema zu ahnden. Der 44 Jahre zurückliegende Falklandkrieg forderte laut Al Jazeera 649 gefallene argentinische und 255 britische Soldaten; Großbritannien behielt nach 74 Tagen die Kontrolle über die Inseln. In einem Referendum 2013 sprachen sich die Bewohner mit 99,8 Prozent für den Verbleib beim Vereinigten Königreich aus. Argentinien argumentiert dagegen, die Inseln von Spanien geerbt zu haben und wirft London die illegale Übernahme 1833 vor.
Für die sportliche Vorbereitung auf das Finale gegen Spanien am Sonntag im MetLife Stadium in New York/New Jersey bedeutet das Nachspiel eine zusätzliche Bühne. Trainer Lionel Scaloni hatte vor dem Halbfinale ausdrücklich versucht, den Falklandkrieg vom Spielfeld zu trennen. Nach dem Abpfiff überstimmten ihn seine eigenen Spieler und ein Teil der argentinischen Regierung öffentlich. Ob eine Disziplinarentscheidung noch vor dem Endspiel fällt, ist offen. Titelverteidiger Argentinien tritt am Sonntag um 21 Uhr MESZ gegen Europameister Spanien an.