Kansas City, in der Nacht auf Sonntag: Argentinien steht im WM-Halbfinale. Der Titelverteidiger setzte sich im Arrowhead Stadium mit 3:1 nach Verlängerung gegen die Schweiz durch - und musste dafür bis in die Schlussminute der Nachspielzeit zittern. Vor 69.045 Zuschauern trafen Alexis Mac Allister (10.), Julian Alvarez (112.) und Lautaro Martinez (120.+1) für die Albiceleste, Dan Ndoye (67.) hatte für die Nati zwischenzeitlich ausgeglichen. Nächster Gegner am Mittwoch in Atlanta ist England.

Die Partie kippte in der 72. Minute. Schiedsrichter Joao Pinheiro hatte zunächst Leandro Paredes verwarnt, nach VAR-Eingriff wegen möglicher Spielerverwechslung drehte der Portugiese die Entscheidung: Gelb für Breel Embolo wegen Schwalbe, und weil der Nati-Stürmer bereits in der 44. Minute verwarnt worden war, folgte Gelb-Rot. Sportschau-Experte Lutz Wagner verteidigte die Umkehr: Die Auswechslungsregel greife hier korrekt, weil nicht der falsche Spieler bestraft werden dürfe, so Wagner nach dem Spiel.

Die Schweiz wehrte sich in Unterzahl beeindruckend, hielt das 1:1 über die 90 Minuten und wäre in Reichweite eines Elfmeterschießens gewesen. Dann kam die 112. Minute: Alvarez zirkelte den Ball aus rund 22 Metern in den rechten Winkel. Torhüter Gregor Kobel war chancenlos. In der ersten Minute der Nachspielzeit der Verlängerung machte Lautaro Martinez nach einem Konter mit einem Nachschuss aus 20 Metern alles klar.

So wie wir gekämpft haben, fühlt es sich unfair an, dass wir die Chance auf ein Penaltyschiessen nicht wenigstens noch bekommen haben.
- Gregor Kobel, Schweizer Torhüter, gegenüber 20 Minuten

Ndoyes Ausgleich, Kobels Verdikt

Der Auftakt gehörte den Argentiniern. In der 10. Minute nickte Mac Allister eine Ecke von Lionel Messi ins Netz, wie fussballdaten.de protokollierte. Die Nati brauchte fast eine Stunde, um zurückzukommen: Ndoye setzte sich über rechts durch, spielte Doppelpass mit Ricardo Rodriguez und traf aus spitzem Winkel flach ins lange Eck - der 67.-Minuten-Ausgleich, der Kansas City für kurze Zeit an einen Sensationssturz denken ließ.

Kobel bilanzierte nach Abpfiff im Interview mit 20 Minuten: „Ich bin riesig stolz auf die Mannschaft. Wir haben bis zum Schluss gekämpft und alles reingehauen. Unsere Einstellung war top.“ Der Dortmunder gab an, die Rot-Szene nicht klar gesehen zu haben, und formulierte doch einen deutlichen Vorwurf gegenüber dem Ausgang.

Argentinien trifft im Halbfinale auf England

Für Trainer Lionel Scaloni ist es das sechste WM-Halbfinale eines argentinischen Teams - und das Spielfeldbild in der Verlängerung war deutlich: Die Berliner Zeitung schrieb von Argentiniens „heiliger Mission für Messis letzten Goldpokal“, Al Jazeera zitierte Scaloni bereits vor der Partie mit den Worten, Messi werde „der Beste sein, so lange er will“. Der 39-jährige Kapitän bereitete das 1:0 vor und war an fast jeder gefährlichen Aktion beteiligt.

Für die Schweiz endet ein Turnier, das mit einem 1:1 gegen Katar begann und bis in die Verlängerung eines WM-Viertelfinals gegen den Weltmeister reichte. Trainer Murat Yakin hatte vor dem Spiel klargestellt, man werde „keinen Wachhund auf Messi ansetzen“. Die Rechnung ging 71 Minuten lang auf. Dann sortierte ein VAR-Eingriff das Spiel neu - und der Turnierweg der Nati endete in Kansas City, nicht in Atlanta.