Zwei Tage vor dem Anpfiff der Weltmeisterschaft erschüttert ein Visa-Eklat das Turnier. Die US-Grenzbehörde CBP hat dem somalischen FIFA-Schiedsrichter Omar Abdulkadir Artan am Montagabend am Miami International Airport die Einreise verweigert. Artan, in seinem Land der erste FIFA-Referee überhaupt und vom afrikanischen Verband CAF zum Schiedsrichter des Jahres 2025 gekürt, sollte ab dieser Woche im US-Team-Trainingsbetrieb der FIFA stehen und bei der WM Spiele leiten. Stattdessen wurde er nach Angaben der New York Times rund elf Stunden befragt, mehrere Stunden separat festgehalten und am Dienstag in den Flieger zurück nach Istanbul gesetzt.

Der Weltverband FIFA bestätigte am Dienstag, dass Artan „weder als Schiedsrichter noch im Trainingsbetrieb“ in den Vereinigten Staaten dabei sein werde. „Die FIFA ist nicht in die Einreiseverfahren der Gastgeberländer involviert“, hieß es in einer von der Sportschau zitierten Erklärung. Ein Ersatz für Artan ist nicht vorgesehen, ein Einsatz in den 26 von 104 WM-Partien, die in Kanada und Mexiko stattfinden, ebenfalls nicht. Das Department of Homeland Security teilte t-online mit, Artan sei „aufgrund von Vetting-Bedenken als unzulässig eingestuft“ worden. Somalia steht auf jener von der Trump-Regierung im Frühjahr erweiterten Liste von 75 Staaten, deren Bürger pauschalen Einreisebeschränkungen unterliegen.

Artan selbst bestreitet, dass Sicherheitsgründe vorliegen. „Ich hatte die richtigen Papiere und ein richtiges Visum“, sagte er der New York Times. „Ich glaube, dass sie ein Problem mit meinem Land haben.“ Beamten habe er FIFA-Dokumente und Fotos aus seiner Karriere vorgelegt - vergeblich. Andrew Giuliani, der im Weißen Haus die Task Force für die WM leitet, verteidigte die Abweisung dagegen als korrekte Grenzentscheidung; das State Department betonte, es gebe „keine Kompromisse bei US-Gesetzen sowie der Wahrung höchster Standards für nationale und öffentliche Sicherheit“.

Mein Bauchgefühl sagt mir, das wird nicht die allerletzte Geschichte gewesen sein.
- Rudi Völler, DFB-Sportdirektor, Pressekonferenz Winston-Salem

Völler in Winston-Salem: „falsche Ansprechpartner“

Auf der Pressekonferenz im DFB-Quartier in Winston-Salem konfrontierten Reporter am Dienstag DFB-Sportdirektor Rudi Völler mit dem Fall. „Ich hätte es gerne auch anders gehabt“, sagte Völler laut t-online und schob nach: „Ein bisschen schade.“ Eine politische Bewertung lehnte er ab - der DFB sei „die falschen Ansprechpartner für diese Probleme“. Er warnte zugleich, das Problem werde sich wiederholen: „Mein Bauchgefühl sagt mir, das wird nicht die allerletzte Geschichte gewesen sein.“ Das Team wolle sich „auf den Fußball konzentrieren, eine gute WM zu spielen, und den Rest wird man sehen“.

Artan ist nicht der einzige Fall, in dem das Turnier mit US-Einreisepolitik kollidiert. Der Schweizer Stürmer Breel Embolo wartete laut Sportschau tagelang auf sein Visum, der irakische Angreifer Aymen Hussein wurde am Chicago O'Hare Airport sieben Stunden festgehalten, eine Delegation der iranischen Mannschaft kam erst nach mehrfachem Verfahren ins Land, schottische Fans wurden an der Grenze abgewiesen. Der ehemalige englische Nationalspieler Ian Wright nannte das Turnier auf X eine „Weltmeisterschaft des Chaos“.

Kein Ersatz, kein Pfiff

Die FIFA hatte 117 Schiedsrichter und Assistenten für das XXL-Turnier mit 48 Mannschaften nominiert, Artan war als einer der 52 Referees vorgesehen. Sein Ausfall verschiebt die Zuteilung: Andere Schiedsrichter werden zusätzliche Partien übernehmen. Über die Identität der ersten Ansetzungen entscheidet das Schiedsrichterkomitee laut Sportschau am Mittwoch. Auch das Eröffnungsspiel der WM in Mexiko-Stadt ist davon nicht betroffen: Der Brasilianer Wilton Sampaio wird die Partie zwischen Mexiko und Südafrika am Donnerstag leiten.