NASA hat am Dienstag im Johnson Space Center in Houston die vierköpfige Crew für die Artemis-3-Mission vorgestellt. Kommandant wird der erfahrene US-Astronaut Randy Bresnik, Pilot der italienische ESA-Astronaut Luca Parmitano. Die deutschen Bewerber Alexander Gerst und Matthias Maurer wurden nicht berücksichtigt - obwohl ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher noch Ende 2025 öffentlich für einen deutschen Erstflug geworben hatte.

Parmitano wird ab 2027 vom European Service Module aus die Andockmanöver mit den künftigen Mondlandern proben. Als Missionsspezialisten begleiten ihn die NASA-Astronauten Frank Rubio und Andre Douglas, Reserveastronaut ist Bob Hines. Die Mission selbst wird die Mondoberfläche nicht erreichen; sie bleibt in der Erdumlaufbahn und testet Verfahren, die Artemis 4 und 5 ab 2028 tatsächlich auf den Mond bringen sollen.

Warum kein Deutscher mit darf

Den Ausschlag gab nach Angaben von Aschbacher die Anforderung der NASA, einen ausgebildeten Testpiloten zu nominieren. Im aktuellen ESA-Astronautenkorps erfüllt nur Parmitano dieses Kriterium - der 49-Jährige wurde 2007 von der italienischen Luftwaffe zum Testpiloten ausgebildet und hat über 2.000 Flugstunden auf mehr als 20 Maschinentypen absolviert. Gerst (50) und Maurer (56), die im vergangenen Jahr beide ihr Interesse an einem Mondflug betont hatten, blieben außen vor.

Aschbacher verteidigte vor Journalisten in Houston seine frühere Zusage, der erste europäische Mondflug werde an Deutschland gehen; die Aussage habe weiter Bestand. Den Sinneswandel begründet die ESA mit den veränderten Rahmenbedingungen: Artemis 3 fliegt seit der NASA-Programmrevision im Februar nicht mehr zum Mond, sondern bleibt in der Erdumlaufbahn. Deutsche Astronauten könnten erst bei Artemis 4 oder 5 zum Zug kommen - frühestens 2028.

Die Ernennung des ESA-Astronauten Luca Parmitano zum Piloten spiegelt die Tiefe des europäischen Fachwissens in der bemannten Raumfahrt.
- Josef Aschbacher, ESA-Generaldirektor

Die ESA verweist auf den industriellen Beitrag Europas zum Programm. Das European Service Module, das die Orion-Kapsel antreibt, wird unter Federführung von Airbus in Bremen montiert; die strukturelle Fertigung liegt bei Thales Alenia Space im italienischen Turin. 13 ESA-Staaten und über 100 Zulieferer sind beteiligt. Den Sitz für Parmitano hat sich Europa auch mit diesem Beitrag erarbeitet.

Was die Mission testet

Artemis 3 soll 2027 an Bord der NASA-Schwerlastrakete SLS starten und im erdnahen Orbit Andock- und Annäherungsmanöver zwischen der Orion-Kapsel und den kommerziellen Mondlandern von SpaceX und Blue Origin proben. Erst Artemis 4 und Artemis 5 sind 2028 für die erste bemannte Mondlandung seit Apollo 17 vorgesehen. NASA-Chef Jared Isaacman begründete die Beschleunigung des Programms am Dienstag mit dem Wettbewerbsdruck aus China.

Für Parmitano ist es der dritte Raumflug. Der Sizilianer hat 366 Tage auf der ISS verbracht, sechs Außenbordeinsätze absolviert und war 2019 als erster Italiener Kommandant der Raumstation. „Als Testpilot ist dies wirklich eine Traummission, da wir dabei helfen können, Systeme zu testen“, sagte er in der ESA-Mitteilung zur Nominierung. Für Deutschland bleibt der Trost, dass das Antriebsmodul der Mission aus Bremen kommt - nur eben ohne deutschen Astronauten an Bord.