Der prominente KI-Hedgefonds Situational Awareness des ehemaligen OpenAI-Forschers Leopold Aschenbrenner hat in der Nacht zum 30. Juli einen Großteil seines börsennotierten Aktienportfolios abgestoßen. Wie das Handelsblatt und CNBC berichten, sicherte sich Ken Griffins Hedgefonds Citadel in einer eilig arrangierten Auktion Beteiligungen im Wert von rund 16 Milliarden Dollar. Laut Wall Street Journal lag der Abschlag bei mehr als zehn Prozent.

Auslöser waren nach übereinstimmender Berichterstattung Fehlspekulationen auf Halbleiter- und Softwarewerte, die in Kombination mit einer Hebelquote von rund vierhundert Prozent zu massiven Nachschussforderungen führten. Der Fonds, dessen verwaltetes Vermögen laut Handelsblatt zwischenzeitlich auf 45 Milliarden Dollar geklettert war, verlor allein im Juli rund 67 Prozent seines Werts. Nach dem Verkauf verbleiben Positionen im Umfang von etwas mehr als zehn Milliarden Dollar, darunter eine Beteiligung am KI-Unternehmen Anthropic, die auf 3,5 bis 5 Milliarden Dollar taxiert wird.

In einem Brief an seine Anleger räumte Aschenbrenner die Verluste ein. „Wir haben Sie in diesem Monat enttäuscht“, zitieren 20 Minuten und Nau.ch aus dem Schreiben. „Wir sind einem dauerhaften Kapitalverlust näher gekommen, als für uns akzeptabel ist.“ Er übernehme „für diese Ereignisse die volle Verantwortung“. Die Dynamik der erzwungenen Verkäufe verglich der 24-Jährige mit einem Bank Run.

Vom Superalignment-Team zum Wall-Street-Wunderkind

Aschenbrenner, in Berlin geboren, hatte 2021 die Columbia University als Jahrgangsbester abgeschlossen und war anschließend in OpenAIs Superalignment-Team gewechselt. OpenAI trennte sich im April 2024 von ihm; das Unternehmen sprach von einer unzulässigen Weitergabe interner Informationen, Aschenbrenner widersprach dieser Darstellung öffentlich. Im Juni 2024 veröffentlichte er das 165 Seiten starke Essay „Situational Awareness: The Decade Ahead“, das ihm in Silicon Valley den Ruf eines KI-Nostradamus einbrachte, wie das Handelsblatt schreibt.

Mit dem Rückenwind aus dem Aufsatz gründete er den gleichnamigen Hedgefonds, unterstützt von den Stripe-Gründern Patrick und John Collison sowie den Investoren Daniel Gross und Nat Friedman. Für das erste Halbjahr 2026 meldete Situational Awareness in einem Investorenbrief vom 24. Juli eine Nettorendite von 439 Prozent; seit Auflage weist der Fonds nach eigenen Angaben ein Plus von 1551 Prozent aus.

Volatilität ist der Preis langfristiger Anlageerträge. Sie darf jedoch niemals den Bestand des Fonds gefährden.
- Leopold Aschenbrenner, Investorenbrief (via 20 Minuten)

Was bleibt

Formell überlebt der Fonds die Zwangsverkäufe: Nach dem Deal mit Citadel arbeitet das verbliebene Portfolio nach Angaben des Handelsblatts wieder ausschließlich mit Eigenkapital, ohne Kreditfinanzierung. Kritiker verweisen aber auf die dünne Erfahrung des jungen Fondsmanagers und seine früheren Verbindungen zum kollabierten FTX Future Fund. In einem Kommentar warnt das Handelsblatt, das Scheitern eines KI-Wunderkinds solle „die Märkte alarmieren“.