Mikaelle Assani hat am Sonntagabend im ausverkauften Lohrheidestadion in Bochum-Wattenscheid die Deutsche Meisterschaft im Weitsprung gewonnen und dabei die achtmalige Titelträgerin Malaika Mihambo hinter sich gelassen. Die 23-Jährige vom Karlsruher SC segelte auf 6,67 Meter und verwies die Olympiasiegerin aus Heidelberg mit 6,63 Metern auf Platz zwei. Es war für Assani der erste nationale Freilufttitel und zugleich das Ende einer 15-monatigen Zwangspause nach einem Sehnenriss im linken Oberschenkel, den sie sich im März 2025 bei der Hallen-EM in Apeldoorn zugezogen hatte.
„Es ist einfach unglaublich. Ich kann das kaum in Worte fassen, weil während des Wettkampfs so viele Emotionen zusammengekommen sind“, sagte Assani im ZDF, sichtlich weinend. „Ich bin einfach nur dankbar und unglaublich glücklich.“ Es war ihr fünfter Wettkampf seit der Rückkehr Mitte Juni. Trainiert wird die Karlsruherin nach der Trennung von ihrem langjährigen Coach Udo Metzler mittlerweile von Uli Knapp - der zugleich Mihambo betreut. Mit der Weite qualifizierte sich Assani zudem für die Leichtathletik-EM in Birmingham vom 10. bis 16. August.
Für Mihambo endete damit eine Serie von acht Meistertiteln. „Der Wind war nicht auf meiner Seite. Und London in der vergangenen Woche steckte mir noch in den Knochen“, sagte die 32-Jährige gegenüber t-online. „Es hat heute nicht alles zusammengepasst.“ Beim Diamond-League-Meeting im Londoner Olympiastadion war sie am vergangenen Wochenende noch auf 7,05 Meter gesprungen, ihre weiteste Freiluftweite seit dem EM-Titel 2024 in Rom. In Wattenscheid gelang ihr nach dem soliden Auftaktversuch kein regulärer Sprung mehr; ihr weitester Flug von 6,47 Metern wurde nach Angaben von Eurosport wegen einer Übertretung von 44 Zentimetern annulliert.
Ich bin einfach nur dankbar und unglaublich glücklich.
Zwei Meisterschaftsrekorde, ausverkaufte Ränge
Für sportliche Substanz sorgten am Schlusstag zwei Meisterschaftsrekorde. Emil Agyekum unterbot über 400 Meter Hürden mit 47,65 Sekunden die Bestmarke von Harald Schmid aus dem Jahr 1985 und holte seinen zweiten DM-Titel. „Ich bin super drauf. Die Konkurrenz war auch da und ich natürlich sehr motiviert, mein Bestes zu geben“, sagte der Berliner, der Ende Juni mit 47,45 Sekunden bereits den deutschen Rekord auf sich gezogen hatte. Über 3000 Meter Hindernis holte sich Gesa Felicitas Krause nach fünf Jahren Pause den siebten Titel ihrer Karriere zurück und unterbot in 9:24,40 Minuten ihre eigene Meisterschaftsbestmarke aus dem Jahr 2017.
Jean Paul Bredau gewann über 400 Meter zum dritten Mal in Serie und blieb in 44,72 Sekunden nur knapp über der schnellsten deutschen Zeit seit 25 Jahren. Merlin Hummel stieß den Hammer auf 79,18 Meter - „In Birmingham ist eine Medaille das Ziel, da muss ich nicht lügen“, sagte er im ZDF - und Owen Ansah legte einen Tag nach seinem 100-Meter-Titel über 200 Meter in 20,13 Sekunden nach. Beide Wettkampftage in Wattenscheid waren mit jeweils 14.000 Zuschauern ausverkauft. DLV-Sportdirektor Jörg Bügner sprach nach Angaben des Verbands von einem „deutlichen Aufwärtstrend“ der deutschen Leichtathletik zweieinhalb Wochen vor der EM in Birmingham.