Prinzessin Astrid von Norwegen ist tot. Die ältere Schwester des am 28. August verstorbenen Königs Harald V. starb am Freitagvormittag im Alter von 94 Jahren, wie der norwegische Königshof in Oslo mitteilte. „Die Prinzessin ist heute, Freitag, den 11. September, im Alter von 94 Jahren friedlich entschlafen“, hieß es in der offiziellen Erklärung. Nur zwei Tage zuvor hatte Astrid an der Trauerfeier für ihren Bruder in der Osloer Domkirche teilgenommen - es war ihr letzter öffentlicher Auftritt.
Bereits im März dieses Jahres war Astrid mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert worden, im Juli erhielt sie nach Angaben des norwegischen Königshauses wegen einer Herzinsuffizienz einen Schrittmacher. Trotz zunehmender Gebrechlichkeit hatte sie darauf bestanden, ihrem Bruder Harald am 9. September das letzte Geleit zu geben, gemeinsam mit den drei skandinavischen Monarchen und Delegationen aus mehr als vierzig Ländern. Vom Balkon des Osloer Schlosses wehen die Flaggen an diesem Wochenende erneut auf halbmast.
König Haakon VIII., der Astrids Neffe ist und seit dem 28. August auf dem norwegischen Thron sitzt, würdigte seine Tante am Freitagnachmittag persönlich. „Tante Astrid war eine wichtige Stütze für König Harald und für den Rest unserer Familie“, sagte der neue König laut einer Mitteilung des Hofes. Er verwies auf ihre Rolle als „First Lady“ ab dem 22. Lebensjahr, ihren Einsatz für Menschen mit Behinderung und ihren „charakteristischen Humor“. Ihre fünf erwachsenen Kinder erklärten in einer gemeinsamen Botschaft, sie sei „die beste Mutter, die wir uns hätten wünschen können“ gewesen.
Wir haben viel von ihr gelernt, und sie hat sich nie gescheut, ihre Stimme zu erheben. Ihr Tod ist ein großer Verlust für uns.
Vom Studium in Oxford zur Repräsentantin des Königshauses
Astrid Maud Ingeborg wurde am 12. Februar 1932 in Oslo als zweite Tochter des späteren Königs Olav V. und Kronprinzessin Märthas geboren. Als ihre Mutter 1954 im Alter von nur 53 Jahren an Krebs starb, brach die 22-jährige Astrid ihr Studium an der Universität Oxford ab und übernahm für ihren Vater die Rolle der ersten Dame Norwegens - eine Aufgabe, die ihre ältere Schwester Ragnhild nicht wahrnehmen konnte, weil sie einen Kaufmann geheiratet hatte und mit ihm nach Brasilien ausgewandert war. Vierzehn Jahre lang begleitete Astrid ihren Vater bei Staatsbesuchen und offiziellen Zeremonien, ehe 1968 die Heirat ihres Bruders Harald mit der Bürgerlichen Sonja Haraldsen die Aufgabe an die neue Kronprinzessin übergab.
Ein Jahr vor Haralds Hochzeit hatte Astrid selbst einen Bürgerlichen geehelicht: den Textilkaufmann und Segler Johan Martin Ferner, mit dem sie fünf Kinder bekam und der 2015 im Alter von 87 Jahren starb. Ihre Ehe galt in Norwegen als Vorbild für die spätere Verbindung Haralds mit Sonja und bereitete gesellschaftlich den Weg dafür, dass ein Thronfolger eine Frau ohne Adelstitel heiraten konnte. Zeit ihres Lebens setzte sich Astrid für Menschen mit Legasthenie ein - sie hatte selbst mit der Lese-Rechtschreib-Schwäche zu tun - sowie für Behindertensportverbände und den Norwegischen Krebsverband.
Das Ende einer Generation
Mit Astrids Tod endet in Norwegen eine ganze Königsgeneration. Ihre ältere Schwester Ragnhild war 2012 in Rio de Janeiro gestorben, Bruder Harald zwei Wochen vor Astrid selbst im Osloer Reichskrankenhaus. Das norwegische Königshaus hat auf seiner Internetseite ein digitales Kondolenzbuch eingerichtet, in Oslo läuten am Freitagnachmittag die Kirchenglocken. Ein Termin für die Trauerfeier war bis zum Nachmittag nicht bekannt; das Königshaus kündigte an, weitere Angaben zum Ablauf und zur öffentlichen Aufbahrung „in den kommenden Tagen“ mitzuteilen.
Für König Haakon VIII. und Kronprinz Ingrid Alexandra beginnt damit die Regentschaft mit einem doppelten Trauerfall im eigenen Haus. Die junge Kronprinzessin, die am Dienstag vergangener Woche im Storting eidesbereit an der Seite ihres Vaters stand, wird an diesem Samstag ihre erste Amtshandlung in schwarz begehen. Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre kondolierte am Freitag der Königsfamilie; Beileidsbekundungen kamen aus den europäischen Königshäusern und dem Vatikan.