Die Afrikanische Union hat am Dienstag in einer Notkonferenz Zusagen über 910 Millionen US-Dollar zur Eindämmung des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo gesammelt. Bei der Videoschalte mit rund zehn Staats- und Regierungschefs warnte Jean Kaseya, Generaldirektor der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC, gegenüber dem Sender RFI vor einer Eskalation: „Wenn wir die Ausbreitung dieser Epidemie nicht schnell stoppen, läuft sie Gefahr, zu einer der schwerwiegendsten Epidemien auf dem Kontinent zu werden.“ Burundis Präsident Evariste Ndayishimiye, der den AU-Vorsitz innehat, forderte afrikanische Regierungen auf, ihre Versprechen rasch in Auszahlungen zu verwandeln.

Parallel meldete sich am 16. Juni in Genf Bruno Michon, Einsatzleiter der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) in Bunia, zu Wort. „Wir befürchten, dass diese Epidemie noch ein Jahr andauern könnte, bevor sie endet“, sagte Michon, wie t-online berichtet. Der Höhepunkt sei noch nicht erreicht, sondern liege noch vor den Helfern. Das IFRC kämpft im Ausbruchszentrum Mongbwalu nach eigenen Angaben nicht nur gegen das Virus, sondern auch gegen massives Misstrauen in der Bevölkerung: Behandlungszelte wurden niedergebrannt, NGO-Fahrzeuge mit Steinen beworfen, manche Bewohner halten Ebola für eine Erfindung. Das Rote Kreuz nutzt mittlerweile durchsichtige Leichensäcke, damit Angehörige das Gesicht der Verstorbenen sehen können.

In der ituresischen Provinzhauptstadt Bunia hat Ärzte ohne Grenzen sein Behandlungszentrum binnen zwei Wochen von 30 auf 80 Betten ausgebaut - und weist trotzdem täglich Patienten ab, wie der Tagesspiegel berichtet. In Mongbwalu liegen 18 bestätigte Fälle in der MSF-Station, das Rote Kreuz beerdigt nach eigenen Angaben dort sieben bis zehn Menschen pro Tag. Die kongolesischen Gesundheitsbehörden zählen inzwischen mehr als 780 bestätigte Infektionen, bis zum 13. Juni starben 23 Beschäftigte des Gesundheitssystems an dem Virus.

Der Höhepunkt liegt noch vor uns, nicht hinter uns.
- Bruno Michon, IFRC-Einsatzleiter Bunia, t-online

Deutschland stockt auf - der Impfstoff bleibt das Problem

Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) hat zusätzliche deutsche Hilfen über 13 Millionen Euro zugesagt. Neun Millionen gehen laut Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit direkt an Africa CDC, die ostafrikanische Gemeinschaft EAC und Programme von UN-Organisationen und NGOs vor Ort, vier weitere Millionen fließen an die WHO. Alabali Radovan bezeichnete die Lage als „extrem ernst“.

Anders als bei vergangenen Ebola-Ausbrüchen kann die internationale Gemeinschaft nicht auf einen zugelassenen Impfstoff zurückgreifen. Verantwortlich für den Ausbruch ist nach Sequenzierungen in Kinshasa der Bundibugyo-Stamm. Gegen ihn wirken die für die häufigere Zaire-Variante zugelassenen Impfstoffe nicht. Die WHO prüft derzeit, ob bestehende Mittel umgewidmet werden können. Bis dahin bleibt die Bekämpfung auf Isolation, Kontaktverfolgung und sichere Bestattungen angewiesen - eine Strategie, die in Ituri auf das offene Misstrauen ganzer Dorfgemeinschaften trifft.

Die AU-Konferenz hatte zwei Botschaften: Geld kann fließen, wenn der Druck groß genug ist. Aber Africa CDC und IFRC mahnen, dass Zusagen ohne schnelle Auszahlung wenig nützen. Ndayishimiye verlangt, dass mindestens 100 Millionen US-Dollar von afrikanischen Regierungen und dem afrikanischen Privatsektor selbst kommen. Ob aus den 910 Millionen tatsächliche Mittel werden, bevor MSF in Bunia das nächste Mal Betten aufstockt, entscheidet sich in den kommenden Wochen.