Die deutschen Industriebetriebe arbeiten so viele Aufträge gleichzeitig ab wie noch nie seit Beginn der Statistik. Der reale, preis- und saisonbereinigte Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe stieg im Mai um 1,7 Prozent gegenüber dem Vormonat, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Im Vergleich zum Mai 2025 lag der Bestand kalenderbereinigt um 9,5 Prozent höher.

Die sogenannte Reichweite des Auftragspolsters, ein Indikator dafür, wie lange die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz und ohne neue Bestellungen ausgelastet wären, kletterte auf 8,9 Monate. Im April hatte der Wert noch bei 8,8 Monaten gelegen. Bei den Herstellern von Investitionsgütern reicht das Polster inzwischen für 12,4 Monate Produktion. Getragen wird der Zuwachs vor allem vom Maschinenbau, dessen Auftragsbestand im Mai um 3,3 Prozent zulegte.

Zugleich meldete Destatis einen deutlichen Anstieg der Neuaufträge. Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe kletterte im Mai preis- und saisonbereinigt um 1,9 Prozent gegenüber April, wie die Behörde in ihrer Pressemitteilung Nummer PD26_235_421 ausführte. Ohne die Großaufträge stieg das Volumen um 1,0 Prozent. Im Jahresvergleich fiel der Zuwachs mit 6,2 Prozent kräftig aus.

Auftragsdynamik konzentriert sich auf Rüstung, Schiff- und Flugzeugbau

Der Schub bei den Neuaufträgen speist sich in großen Teilen aus einem einzigen Segment: Der sonstige Fahrzeugbau, zu dem Rüstungsgüter, Flugzeuge, Schiffe und Züge zählen, legte im Mai um 85,0 Prozent zu. Die Kategorie profitiert seit Monaten von öffentlichen Aufträgen für Verteidigung und Infrastruktur. Auch der Maschinenbau meldete mit einem Plus von 3,7 Prozent bei den Neuaufträgen und die Elektroindustrie mit 5,7 Prozent starke Ergebnisse. Die Autoindustrie verlor dagegen 3,8 Prozent, die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und Elektronik brachen um 7,8 Prozent ein.

Die Reichweite gibt an, wie lange die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz und ohne neue Auftragseingänge mit dem Abarbeiten der vorhandenen Aufträge ausgelastet wären.
- Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 17. Juli 2026

Auslandsbestellungen aus der Eurozone stiegen im Mai um 11,2 Prozent, aus den Ländern außerhalb der Währungsunion gingen die Ordereingänge dagegen um 3,2 Prozent zurück. Der reale Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe legte gegenüber April um 1,8 Prozent zu, im Jahresvergleich um 4,2 Prozent.

Die Zahlen liefern Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) Rückenwind, die seit Amtsantritt mit einer Ansage nach mehr Investitionen gekämpft hat. Analysten warnten allerdings davor, den Bestand-Rekord überzuinterpretieren: Rüstung und Infrastruktur füllen die Bücher, weite Teile des Mittelstands melden weiter unterausgelastete Kapazitäten. Der Boersen-Zeitung sagte ein ifo-Analyst zu Wochenbeginn, das Polster verdecke ein „gespaltenes Bild“: Wenige Branchen laufen auf Hochtouren, viele klassische Zulieferer produzieren am Rande der Wirtschaftlichkeit.