Australiens Vize-Premier Richard Marles, US-Kriegsminister Pete Hegseth und der britische Verteidigungsminister John Healey haben am Samstag in Singapur die Eckpunkte des AUKUS-Paktes neu sortiert. In einer gemeinsamen Erklärung der drei Minister wurde bestätigt, dass Australien seine ersten drei nuklear getriebenen Jagd-U-Boote der Virginia-Klasse als gebrauchte Block-IV-Einheiten aus US-Beständen übernimmt. Der ursprüngliche Plan sah eine Mischung aus älteren und neugebauten Schiffen vor.
Die Umstellung soll Logistik und Wartung vereinfachen, weil Canberra dann nur eine einzige Variante in der Flotte führt. Die ersten beiden Boote sollen 2032 und 2035 ausgeliefert werden, das dritte folgt später. Jedes Schiff wiegt rund 8.000 Tonnen, ist mit Marschflugkörpern bestückt und gehört zu den modernsten Jagd-U-Booten der US Navy. Im Klartext: Australien überspringt die Wartezeit auf Neubauten und akzeptiert dafür Boote, die bis zur Übergabe bereits zwischen sechs und 15 Jahren ihrer auf 33 Jahre ausgelegten Dienstzeit hinter sich haben werden.
Neben der U-Boot-Frage stellten die drei Minister das erste „Signature Project“ der Pillar-II-Säule vor: ein gemeinsames Programm für unbemannte Unterwasserfahrzeuge (UUV). „Dieses Vorzeigeprojekt wird eine Reihe hochgradig anpassungsfähiger, multifunktionaler UUV-Nutzlasten liefern, die Operationen unter Wasser unterstützen“, sagte Hegseth in Singapur. Healey sprach laut Mitteilung des australischen Verteidigungsministeriums von „den fortschrittlichsten Schlachtfeldtechnologien“ für die alliierten Streitkräfte. Erste Auslieferungen sind ab 2027 vorgesehen.
Der Meeresboden wird zum Schlachtfeld. Die Schattenflotte wird zur Waffe.
Subseekabel im Visier
Der Anlass für das Drohnenprogramm liegt nahe der Oberfläche: 99 Prozent des australischen Internetverkehrs laufen über 15 Untersee-Kabel, ähnlich verwundbar sind die anderen AUKUS-Staaten. In den vergangenen 18 Monaten zählten Sicherheitsbehörden nach Berliner-Zeitung-Recherche fünf Kabeldurchtrennungen in der Taiwanstraße und drei in der Ostsee, mutmaßlich verantwortlich sind chinesische beziehungsweise russische Schiffe der „Schattenflotte“. Marles formulierte das in Singapur ungewöhnlich scharf: Der Meeresboden sei „ein Schlachtfeld“, Beijing müsse Transparenz über seine Marineoperationen schaffen.
Die Ankündigung trifft eine Phase, in der die NATO ihre Schutzmaßnahmen für die Ostsee-Infrastruktur ausbaut. Die Bundeswehr beteiligt sich seit 2025 an der Mission „Baltic Sentry“, die die Verbindungen zwischen den Anrainerstaaten überwacht. Deutschland betreibt selbst konventionelle U-Boote der Klasse 212A, ist aber an mehreren Nato-Programmen zur Unterwasser-Aufklärung beteiligt. Die in Singapur vorgestellten AUKUS-Drohnen würden die westliche Marine-Infrastruktur nach Einschätzung von Verteidigungsexperten erstmals systematisch um eine ständige Tiefseekomponente erweitern.
Der dritte Beschluss von Singapur betrifft die „Submarine Rotational Force-West“: Ab 2027 sollen US- und britische Atom-U-Boote dauerhaft in HMAS Stirling im westaustralischen Perth rotieren. Damit hält Washington an einer der zentralen Festlegungen des AUKUS-Pakts fest, trotz der Pentagon-Prüfung, die Unterstaatssekretär Elbridge Colby im Sommer 2025 angestoßen hatte. Die Ergebnisse, im Dezember an Canberra übermittelt, sahen Anpassungen bei Lieferterminen und Kostenteilung vor, das Grundgerüst des Pakts blieb stehen. Für Berlin liefert das Signal aus Singapur vor allem eine Bestätigung: Washington investiert in die Bündnis-Infrastruktur, die auch die Ostsee-Anrainer als Vorbild nehmen.