Am Donnerstagabend hat der US-Investor Peter Thiel im Berliner Axel-Springer-Haus den Axel Springer Award entgegengenommen. Verlagschef Mathias Döpfner würdigte den 58-Jährigen in seiner Laudatio als „wahrscheinlich mit Abstand einflussreichsten Deutschen unserer Zeit“ und als „mutigen Widerspruchsgeist“. Vor dem Verlagsgebäude demonstrierten nach Polizeiangaben mehr als 200, nach Angaben der Veranstalter rund 400 Menschen gegen die Preisverleihung.

In seiner Dankesrede attackierte Thiel Teile der deutschen und internationalen Medien scharf. Viele Redaktionen seien „zu einer Art linken Hassfabrik verkommen“, sagte er nach Angaben des Tagesspiegels. Die Medienlandschaft sei „sehr, sehr einseitig“ und „bei weitem nicht so frei, wie wir es uns wünschen würden“. Als Gegenstimmen lobte Thiel neben Döpfner die CBS-Journalistin Bari Weiss, die selbst zu den Rednern des Abends gehörte.

Viele Redaktionen sind zu einer Art linken Hassfabrik verkommen.
- Peter Thiel, Dankesrede zum Axel Springer Award

Politisch nahm sich Thiel die Berliner Linke vor, die die Wahl zum Abgeordnetenhaus am vergangenen Sonntag gewonnen hat. Setze eine Regierung unter linker Führung die von der Partei angekündigten Mietendeckel um, werde sie Berlin „in ein Elendsviertel verwandeln“, warnte er laut taz. Gleichzeitig zeigte Thiel Verständnis dafür, dass viele Berlinerinnen und Berliner die Linke gewählt hätten: Die Wohnkosten seien für viele Menschen nicht mehr zu tragen, und weder Bund noch Union böten darauf brauchbare Antworten.

Getragen wurde der Protest vor dem Springer-Haus vom Bündnis „Sicherheit ohne Überwachung“, das seit Wochen gegen den Einsatz von Thiels Software Palantir bei den Polizeibehörden in Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg mobilisiert. Auf Transparenten stand „Thiel Shall Not Pass“ - eine Anspielung auf Gandalfs Satz aus dem Herrn der Ringe -, andere lasen „Thiel mir das Lied vom Tod“ oder „Dit is mir alles zu Thiel“. Nach Recherchen von netzpolitik.org wurde ein Demonstrant im Saal festgenommen, als er ein Transparent entfaltete. Auch der Deutsche Journalistenverband hatte die Auszeichnung im Vorfeld kritisiert. „Das passt nicht zusammen“, sagte DJV-Vorsitzender Mika Beuster mit Blick darauf, dass die Trump-Regierung, die Thiel unterstützt, das Springer-Portal Politico jüngst vom Weißen Haus ausgeschlossen habe.

Karp, Weiss und Kasparow als Stichwortgeber

Neben Döpfner sprachen mit Palantir-Chef Alex Karp, der CBS-Journalistin Bari Weiss und dem früheren Schachweltmeister Garri Kasparow drei prominente Weggefährten für den Preisträger. Karp bezeichnete Thiel in einer vorproduzierten Videobotschaft in deutscher Sprache als „letzten Deutschen“ und legte nahe, das Land könne von seinem einstigen Bürger lernen. Döpfner rahmte den Abend mit selbstironischem Ton: Sein Verlag sei „das Epizentrum des Bösen, die rechte Verschwörung“ und ein „Magnet für dunkle Mächte“ - eine Referenz auf die Demonstrierenden vor der Tür.

Thiel wurde 1967 in Frankfurt am Main geboren, wanderte als Kind mit seiner Familie in die USA aus und gilt heute als einer der einflussreichsten Investoren des Silicon Valley. Er ist Mitgründer von PayPal, war einer der ersten externen Facebook-Investoren und rief mit Alex Karp das Datenanalyse-Unternehmen Palantir ins Leben. Politisch gehört er zu den frühen Förderern von US-Präsident Donald Trump und Vizepräsident J. D. Vance. Der Axel Springer Award ging in den Vorjahren unter anderem an Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Elon Musk und Tim Berners-Lee.