Rund eine Woche vor dem Eröffnungsspiel der WM 2026 zeichnet sich im monatelangen Streit um das Aztekenstadion eine Einigung ab. Stadionbetreiber Ollamani hat nach eigenen Angaben rund 63 Millionen US-Dollar an die FIFA überwiesen, um die Tickets jener etwa 14.000 Logen- und Dauerkartenbesitzer abzulösen, die sich auf einen Vertrag aus den Sechzigern beriefen. Das berichten ZDFheute, Kicker und der WEB.DE-Liveblog übereinstimmend.

Der Hintergrund reicht 60 Jahre zurück. Als dem damaligen Bauherrn Emilio Azcárraga Milmo beim Bau des Stadions in den Sechzigern das Geld ausging, verkaufte er 600 Logen und rund 8.000 Einzelplätze an wohlhabende Fußballfans - für je 115.000 Pesos, nach damaligem Kurs etwa 9.000 Dollar. Das Gegengeschäft: 99 Jahre lang, bis 2065, sollten die Käufer jedes Spiel und jede Veranstaltung im Stadion kostenlos besuchen dürfen. Die Erben dieser Karten organisierten sich in der Asociación Mexicana de Titulares de Palcos y Plateas (AMTPP) und pochten zuletzt auf ihr Recht beim wichtigsten Spiel der Stadiongeschichte: dem WM-Eröffnungsspiel am 11. Juni zwischen Mexiko und Südafrika.

Pikant ist, was Ollamani gegenüber der FIFA verschwieg. Wie internationale Berichterstattung dokumentiert, hatte der Betreiber den 99-Jahre-Vertrag bei der Bewerbung des Stadions bewusst nicht offengelegt - aus Sorge, die Arena könnte sonst aus der Liste der WM-Spielstätten gestrichen werden. Die FIFA verlangt nach ihrer „Clean Stadium“-Regel grundsätzlich die volle Hoheit über ein WM-Stadion: 30 Tage vor dem ersten und sieben Tage nach dem letzten Spiel gehört der Bau dem Weltverband, samt Sitzplätzen, Verpflegung und Vermarktungsrechten.

Unsere Vereinigung ging gerichtlich gegen die Pläne der FIFA und des Aztekenstadions vor - und gewann.
- Roberto Ruano Ortega, Sprecher AMTPP

Genau an dieser Bruchstelle setzte AMTPP-Sprecher Roberto Ruano Ortega an. Seine Vereinigung zog vor Gericht und blockierte mehrere Gegenmaßnahmen, mit denen FIFA und Ollamani die Logenbesitzer weichkochen wollten. Sowohl ein Verbot, eigene Speisen und Getränke in die Logen mitzunehmen, als auch die Drohung mit Stadionsperren bei Weiterverkauf der Plätze auf Sekundärmarkt-Plattformen scheiterten vor mexikanischen Gerichten. Ein erstes Verhandlungsergebnis hatte das Stadionmanagement bereits im September 2025 mit der FIFA erzielt; die jetzt gemeldete 63-Millionen-Zahlung markiert die finanzielle Endabwicklung.

Neuer Name, alter Bau

Wer in den kommenden Wochen ins Stadion will, sucht es auf den FIFA-Tickets ohnehin vergeblich unter dem alten Namen. Am 14. Mai übergab Ollamani die Anlage formell an die FIFA, die das Stadion für die Dauer des Turniers in „Estadio Ciudad de México“ umbenannt hat. Auch der Sponsorname „Estadio Banorte“, den die Arena seit der Renovierung trägt, ist während der WM von außen abgehängt. Die FIFA-Übergabe verschob sich um zwei Tage, weil Cruz Azul am 24. Mai noch ein Ligafinale gegen Pumas UNAM im Stadion austragen wollte.

Mit dem Eröffnungsspiel am 11. Juni wird das Aztekenstadion zur ersten Arena der Geschichte, die drei WM-Eröffnungen ausrichtet - nach 1970 und 1986. Die Renovierung dauerte 18 Monate und kostete neben der hybriden Rasenkonstruktion mit Belüftungs- und Bewässerungssystem unter anderem über 300 neue Lautsprecher, zwei Großbildschirme, gut 2.000 Quadratmeter LED-Flächen und 40 Kilometer Glasfaserkabel. 1.000 WLAN-Zugangspunkte sollen den Besucherinnen und Besuchern kostenfreies Internet liefern. Was die Veranstalter nicht vorhergesehen hatten: dass ausgerechnet ein handschriftlicher Bauvertrag aus den Sechzigern die Logistik des Turnierauftakts kurz vor Anpfiff noch einmal so teuer machen würde.

Für die Logenbesitzer geht der Streit nur auf den ersten Blick verloren aus. Sie bekommen ihre Plätze für die fünf WM-Partien zwar nicht physisch, dafür aber laut Berichten die Vermögensgegenstücke: Tickets, die Ollamani über die FIFA-Kontingente abgegolten hat. Welche Ränge im Detail betroffen sind und ob das Stadion seine bekannten Steilkurven für ein internationales Publikum freigeben kann, dürfte die FIFA in den nächsten Tagen kommunizieren. Bis dahin bleibt der spektakulärste Vertrag der mexikanischen Sportgeschichte erst einmal befriedet - bezahlt vom Hausherrn, neun Tage vor dem Anpfiff.