Am Donnerstagabend rollt im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt der Ball zur 23. Fußball-Weltmeisterschaft, und auf der Bank des Außenseiters sitzt ein 74-jähriger Belgier. Hugo Broos, einst Europameister 1980 mit Belgien, später Afrika-Cup-Sieger 2017 mit Kamerun, hat Südafrika nach 16 Jahren wieder zu einer WM-Endrunde geführt. Sein Kader steht, seine Anweisung ist klar: Bafana Bafana soll Mexiko vor 87.000 Zuschauern nicht den ruhigen Auftakt schenken, den die Gastgeber sich wünschen.

Broos hat 26 Spieler nominiert, und in der Liste fällt etwas auf: 16 von ihnen stehen bei nur zwei Klubs unter Vertrag, den südafrikanischen Spitzenvereinen Mamelodi Sundowns und Orlando Pirates. „Sie kennen sich aus dem Verein, sie sind eingespielt“, erklärte Broos den Verzicht auf jüngere Auslandsprofis. Als einziger Bundesliga-Profi ist Innenverteidiger Ime Okon von Hannover 96 dabei. In der Premier League spielt nur einer: Mittelstürmer Lyle Foster, mit Burnley gerade aus der englischen Eliteliga abgestiegen.

Im Tor und mit der Kapitänsbinde steht Ronwen Williams von Mamelodi Sundowns, seit Jahren einer der besten Torhüter Afrikas. Vor ihm soll Mittelfeldstratege Teboho Mokoena das Spiel ordnen, Außen Relebohile Mofokeng für Tempo sorgen. „Mexiko ist ein sehr komplettes Team, in jedem Bereich gefährlich“, sagte Broos auf der Pressekonferenz im Vorlauf zum Spiel, wie der Kicker berichtet. „Wir müssen auf unserem besten Niveau spielen.“ Eine Hilfe vom Publikum erwartet er nicht: Die Unterstützung aus den Rängen werde im Aztekenstadion „kaum spürbar“ sein.

Symbolik im Anpfiff

Die Begegnung trägt einen historischen Kniff: Am 11. Juni 2010 hatte Südafrika in Johannesburg als Gastgeber gegen genau diesen Gegner die Weltmeisterschaft eröffnet, damals 1:1. Sechzehn Jahre später, auf den Tag genau, treffen beide Teams in der Eröffnungspartie erneut aufeinander, diesmal in Mexiko-Stadt, diesmal in der von 32 auf 48 Mannschaften aufgeblähten WM-Ära. Bei drei vorherigen Endrundenteilnahmen (1998, 2002, 2010) kam Südafrika nie über die Vorrunde hinaus.

Das Gute daran, Südafrikaner zu sein, ist: Unsere Herzen sind von vornherein gebrochen.
- Trevor Noah über die Bafana-Anhängerschaft, zitiert von t-online

Die Vorbereitung lief im mexikanischen Pachuca auf 2.300 Meter Höhe, wo die Mannschaft die dünne Luft trainieren konnte, die ihr auch im 2.240 Meter hoch gelegenen Aztekenstadion abverlangt wird. Nach dem Auftakt geht es für Bafana am 18. Juni in Atlanta gegen Tschechien und am 25. Juni in Guadalupe gegen Südkorea weiter. Es ist ein Reisekalender quer durch zwei Länder, drei Klimazonen und zwei Zeitzonen, was Trainer Broos im Vorfeld bereits als „logistische Hauptaufgabe“ beschrieben hatte.

Letzte Bühne für Broos

Für den 74-jährigen Cheftrainer ist die WM auch das Ende einer Karriere: Nach dem Turnier will Broos zurücktreten, wie er gegenüber t-online bestätigte. Sein Plan: erst einmal das Eröffnungsspiel überstehen, dann die Vorrunde, dann sehen, wie weit Südafrika kommt. „Das ganze Land steht hinter uns“, sagte er. „Das ist alles, was wir mitnehmen.“ Anpfiff im Aztekenstadion ist um 21 Uhr deutscher Zeit, im Free-TV überträgt das ZDF.