Berlin - Die Deutsche Bahn will ihr Konzept der Generalsanierungen umfassend überprüfen. Bahnchefin Evelyn Palla und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) kündigten den Schritt am Mittwoch nach einer erneuten Verzögerung an: Die seit Anfang Februar komplett gesperrte Strecke zwischen Nürnberg und Regensburg wird nicht wie geplant an diesem Freitag wieder in Betrieb gehen, sondern erst am 31. Juli. Es ist bereits die zweite sogenannte Generalsanierung, die nicht im Zeitplan bleibt - nach den Verzögerungen zwischen Hamburg und Berlin im Frühjahr.
Palla stellte klar, dass die gesamte Handhabung des Programms auf den Prüfstand kommt. „Die Art und Weise, wie wir mit der Korridorsanierung umgehen, wie wir planen, wie wir umsetzen, wie wir in Betrieb nehmen“, werde umfassend überprüft, sagte die Bahnchefin bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem Minister, wie t-online und die Verkehrsrundschau berichten. Schnieder ergänzte, Kosten und Zeitpläne würden nach jeder Sanierung „evaluiert und kritisch“ betrachtet - „und wir haben jetzt Anlass, das sehr gründlich zu tun“. Grundsätzlich infrage stellen will der Verkehrsminister das Konzept aber nicht.
Wie müssen wir das Konzept insgesamt ausgestalten, damit es für alle erträglich wird.
Als Grund für die neuerliche Verschiebung zwischen Nürnberg und Regensburg nennt der Konzern anhaltende Sicherheitsprüfungen an der neuen Stellwerkstechnik. Gleise, Weichen und Oberleitungen sind laut Bahn bereits fertiggestellt, spätestens zum Beginn der bayerischen Sommerferien am 31. Juli soll die Strecke wieder vollständig befahrbar sein. Für den Ersatzverkehr setzt die Bahn in Spitzenzeiten mehr als 90 Busse ein, die Freistaat und Aufgabenträger zusätzlich rund 28 Millionen Euro kosten.
40 Strecken bis Mitte der 2030er Jahre
Das Programm der Generalsanierung ist das Herzstück von Pallas Netzstrategie. Rund 40 besonders wichtige Hauptstrecken sollen bis Mitte der 2030er Jahre grundlegend erneuert werden, monatelange Vollsperrungen gehören zum Konzept. Bereits im März hatte Palla dem ZDF gesagt, die Schiene in Deutschland „in Ordnung zu bringen“ werde zehn Jahre brauchen - auch mit Rekordmitteln des Bundes. Für 2026 plant der Konzern mehr als 23 Milliarden Euro Investitionen und rund 28.000 Baustellen.
Kritik am Programm kommt vor allem von den privaten Güterbahnen. Die Umleitungen seien zu lang, schlecht vorbereitet, überlastet und in schlechtem Zustand, monieren die Wettbewerber. Auch die Union hatte den ursprünglichen Zeitplan bei Regierungsantritt als zu ambitioniert kritisiert und das Programm um sechs Jahre gestreckt. Schnieder muss den Bahnvorstand nun zu einem tragfähigen Nachjustieren zwingen, ohne die politische Grundzusage zur Sanierung auszuhöhlen.
Nächste Testfälle stehen an
Ob die Bahn den Zeitplan bei den kommenden Korridoren einhält, wird über die Glaubwürdigkeit des Konzepts entscheiden. Nach der Strecke Nürnberg-Regensburg-Passau folgen weitere Vollsperrungen in Nord- und Westdeutschland. Palla räumt ein, dass die Verlässlichkeit für Fahrgäste und Güterkunden das Kernversprechen des Programms sei - und dass genau dieses Versprechen bei den ersten beiden Projekten gerissen ist. Der angekündigte Konzept-Check wird zeigen müssen, ob es bei Feinjustierung bleibt oder ob die Bahn Zeitpläne und Vollsperrungslogik grundsätzlich neu denken muss.