Nach dem Brand in einem Kabelschacht der Deutschen Bahn bei Leverkusen hat sich am Samstag eine linksextreme Gruppe zu dem Anschlag bekannt. Auf der Plattform indymedia veröffentlichte ein „Kommando Angry Birds" ein Schreiben, in dem es die Verantwortung für die „Sabotage der Bahnlinie nördlich von Leverkusen" übernimmt. Die Kölner Kriminalpolizei hatte zunächst ermittelt, inzwischen liegt das Verfahren beim Staatsschutz, wie ZDFheute berichtet.

Techniker hatten das Feuer am Freitagvormittag gegen 10:30 Uhr an einer Eisenbahnbrücke über die Wupper im Leverkusener Stadtteil Rheindorf entdeckt und die Feuerwehr alarmiert. Nach Angaben der Kölner Staatsanwaltschaft und der Polizei wurden Brandsätze in einem großen Kabelschacht an der Nordostecke der Brücke sowie in einem schmaleren Schacht platziert. Beschädigt wurden mehrere Signalkabel auf der Strecke Düsseldorf-Köln zwischen Langenfeld und Leverkusen; der Zugverkehr auf dem betroffenen Abschnitt musste eingestellt werden. Fern- und Regionalzüge wurden umgeleitet oder fielen aus.

Zur Begründung nennt die Gruppe in dem Schreiben ein „Massensterben" durch „technologische Eskalation", das gestoppt werden müsse. Sicherheitskreise gehen laut Handelsblatt von einer echten Selbstbekennung aus, ein technischer Defekt sei als Ursache „unwahrscheinlich". Die Deutsche Bahn sprach von einem „immensen Schaden" an der Infrastruktur.

Unsere Fachleute können die Texte klar vergleichen und mir sagen: Wir müssen davon ausgehen, dass es sich um eine linksextremistische Tat handelt.
- Herbert Reul, NRW-Innenminister, in ZDFheute

Reul ordnet Tat politisch ein

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach am Samstag von einer „linksextremistischen Aktion". Die Analyse der Fachabteilungen ergebe klare Übereinstimmungen mit früheren Schreiben der Szene. Gegenüber t-online betonte Reul zudem: „Solche Taten sind kein Protest, sondern gezielte Sabotage." Auch das Bundeskriminalamt und der Verfassungsschutz seien eingebunden.

Das „Kommando Angry Birds" trat nicht zum ersten Mal in Erscheinung. Vor gut einem Jahr, im Juli 2025, hatte die Gruppe einen Brandanschlag auf die Hauptstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg für sich reklamiert, im Januar 2026 einen versuchten Angriff auf ein Umspannwerk in Erkrath. Nach Einschätzung des Bundesverfassungsschutzes richtet sich die Gruppierung wiederholt gegen kritische Infrastruktur, vor allem gegen den Schienenverkehr, und begründet ihre Angriffe antikapitalistisch und ökologisch. Auf indymedia veröffentlichte sie in der Vergangenheit auch Bauanleitungen für Brandsätze.

Strecke wieder frei, Debatte um Schutz bleibt

Die Deutsche Bahn hat die zerstörten Signalkabel nach eigenen Angaben repariert; die Strecke zwischen Langenfeld und Leverkusen wurde nach dem Wochenende wieder freigegeben. Politisch dürfte der Anschlag den Streit über den Schutz kritischer Bahn-Infrastruktur neu befeuern. Die Bundesregierung hat im Frühjahr angekündigt, Bahnstrecken und Umspannwerke stärker sichern zu lassen; der Rechnungshof kritisierte zuletzt allerdings, dass die Zusagen bislang wenig Wirkung entfalten. Die Kölner Polizei bittet Zeugen unter 0221 229-0 oder [email protected] um Hinweise.