Prinzessin Bajrakitiyabha, die älteste Tochter des thailändischen Königs Maha Vajiralongkorn, ist tot. Das Bureau of the Royal Household gab den Tod der 47-Jährigen am Donnerstagabend bekannt. Sie starb im King Chulalongkorn Memorial Hospital in Bangkok, in dem sie seit Dezember 2022 lag. Wie t-online unter Berufung auf das Palastbulletin meldet, hatten Ärzte zuletzt eine Infektion im Bauchraum, niedrigen Blutdruck und Herzrhythmusstörungen festgestellt. Bajrakitiyabha kam aus dem Koma nicht mehr zurück, in das sie nach einem Zusammenbruch beim Hundeauslauf gefallen war.

Premierminister Anutin Charnvirakul kündigte am Freitag im Staatsfernsehen eine 15-tägige Trauerzeit an. Regierungsflaggen wehen auf halbmast, Minister sollen Auslandsreisen auf das Nötigste beschränken. Konzerte, Sportveranstaltungen und Konferenzen dürfen weiterlaufen, müssen aber mit einer Schweigeminute beginnen, wie der Wochenblitz aus der Kabinettssitzung berichtet. Anutin sprach von einer „unermesslichen Trauer im Herzen der gesamten Nation“, die der Verlust auslöse.

Am Samstagnachmittag wurde der Sarg vom Krankenhaus durch die Innenstadt zum Grand Palace überführt. Im Phiman-Rattaya-Thronsaal liegt die Prinzessin nun aufgebahrt. Ab Sonntag öffnet die Sahathai-Samakhom-Halle täglich von 8.30 bis 16.00 Uhr für ein öffentliches Kondolenzbuch und Wasserspenden vor dem Porträt. Die religiösen Zeremonien sollen 15 Tage dauern, die Trauerbezeugung am Sarg beginnt nach Angaben des Palasts am 27. Juni. Eine Staatsbestattung mit höchsten königlichen Ehren ist angekündigt, ein Termin steht noch nicht fest.

Dieser Verlust ist nicht bloß eine Nachricht an das Volk, sondern eine unermessliche Trauer im Herzen der gesamten Nation.
- Premier Anutin Charnvirakul, Fernsehansprache am Freitag

Drei Jahre Koma nach dem Hundespaziergang

Bajrakitiyabha brach am 14. Dezember 2022 in der Provinz Nakhon Ratchasima zusammen, als sie ihre Militärhunde trainierte. Die Diagnose lautete später schwere Herzrhythmusstörung, ausgelöst von einer Mykoplasmen-Infektion am Herzen. Sie wurde nach Bangkok ausgeflogen und lag fortan an Geräten, die Lunge und Nieren stützten. Im Mai dieses Jahres verschlechterte sich ihr Zustand. Drei Wochen lang gab der Palast nur noch knappe Bulletins heraus, bevor er am Donnerstagabend ihren Tod meldete.

Die Juristin hatte an der Thammasat-Universität Recht studiert und an der Cornell University in den USA Master und Doktor draufgesetzt. Anschließend arbeitete sie an der thailändischen UN-Vertretung in New York und in der Generalstaatsanwaltschaft in Udon Thani, von 2012 bis 2014 vertrat sie ihr Land als Botschafterin in Wien. Mit ihrem Projekt Kamlangjai („Inspire“) trieb sie die Resozialisierung inhaftierter Frauen voran; auf ihre Initiative hin verabschiedete die UN-Generalversammlung 2010 die sogenannten Bangkok Rules zur Behandlung weiblicher Häftlinge.

Thronfolge erneut offen

Mit Bajrakitiyabhas Tod verliert das Königshaus die Tochter, die viele Beobachter als möglichen Stabilitätsanker für die ungeklärte Nachfolge gesehen hatten. König Vajiralongkorn hat sieben Kinder aus drei Ehen, einen offiziellen Kronprinzen hat er nie ernannt. Als wahrscheinlichster Anwärter gilt sein 20-jähriger Sohn Dipangkorn aus dritter Ehe; vier Söhne aus zweiter Ehe wurden 1996 enterbt und leben in den USA. Eine weibliche Thronfolge sieht das thailändische Recht zwar inzwischen vor, gilt aber als unwahrscheinlich. Die Frage diskutieren thailändische Medien öffentlich kaum, weil das Majestätsbeleidigungsgesetz Haftstrafen von bis zu 15 Jahren androht.

Bajrakitiyabha hatte sich durch ihre fachliche Karriere und ihr nüchternes Auftreten von der Skandalchronik des Hofes abgesetzt. Gemeinsam mit ihrer Tante Prinzessin Sirindhorn galt sie als populäres Gesicht der Königsfamilie. Brisant berichtet, im Herbst 2022 sei sie sogar als mögliche Regentin im Gespräch gewesen. Drei Wochen vor ihrem Zusammenbruch hatte sie noch ein Hundewettkampfprogramm der königlichen Armee mitkonzipiert. Ihr Vater, mittlerweile 73 Jahre alt, schweigt zur Nachfolge weiter öffentlich; das Königshaus dürfte sich vorerst auf die Trauerinszenierung konzentrieren.