Wenige Stunden vor dem WM-Finale zwischen Argentinien und Spanien im MetLife Stadium in East Rutherford verlagert sich die Debatte in den internationalen Sportredaktionen längst auf die Frage, was der Abend für den Ballon d'Or 2026 bedeutet. Am 26. Oktober wird die Auszeichnung in Paris verliehen - und der Sieger des Endspiels dürfte nach übereinstimmender Einschätzung der wichtigsten Prognoseportale die Wahl entscheiden. Lionel Messi, 39 Jahre alt und mit acht Titeln bereits Rekordhalter, gilt bei Buchmachern und Prognosemärkten als klarer Favorit auf eine neunte Trophäe. Sein Gegner heißt Lamine Yamal, 19, im Vorjahr Zweiter der Wahl.

Die Ausgangslage hat sich in den letzten zehn Tagen deutlich verschoben. Solange Bayerns Harry Kane mit England noch im Rennen war, führte der Torschützenkönig der Bundesliga die Power Rankings von Portalen wie Goal.com und Planet Football an. Nach dem 4:6 gegen Frankreich im Halbfinale rutschte er hinter Messi. Der Argentinier bereitete beim 2:1 gegen England beide Treffer vor - erst für Enzo Fernández, dann per Vorlage für Lautaro Martínez. Mit acht Turniertreffern führt er zudem die Torschützenliste vor Kylian Mbappé an; den WM-Torschützenrekord von Miroslav Klose hat er in Nordamerika deutlich übertroffen.

Yamals Fall ist der komplementäre. Ein Titel mit Spanien würde ihn zum jüngsten Ballon-d'Or-Sieger der Geschichte machen. Der Barça-Flügelspieler, der einen Tag vor dem Halbfinale gegen Frankreich seinen 19. Geburtstag feierte, erzwang in Miami den entscheidenden Elfmeter und hatte ein weiteres Tor wegen Abseits nicht anerkannt bekommen. Trainer Luis de la Fuente hat trotz einer Adduktoren-Blessur bestätigt, dass Yamal in East Rutherford spielt. Sein Ansatz, so de la Fuente vor der Partie: „Lamine soll Lamine sein.“

„Mehr als Messi“ - Rodris Konter aus dem spanischen Lager

Aus dem spanischen Team kommt bereits vor dem Anpfiff der Versuch, die Erzählung zu drehen. Mittelfeldregisseur Rodri, im Vorjahr selbst Ballon-d'Or-Sieger, wies gegenüber SRF Sport das Duell auf Messi allein zurück. Argentinien werde man nicht mit einem Einzelspieler beschreiben können, so der Manchester-City-Profi. Spanien sei mit nur einem Gegentor im gesamten Turnier defensiv das dominante Team, so seine Einordnung. Die Statistik untermauert das: Argentinien hat 19 Tore erzielt und sieben kassiert, Spanien 13 erzielt und eines kassiert.

Für mich ist er der beste Spieler aller Zeiten. Er hat sein Land angeführt, aber Argentinien ist viel mehr als nur Messi.
- Rodri, spanischer Mittelfeldspieler, gegenüber SRF Sport

Neben Kane bleibt in den Rankings nur noch Jude Bellingham als Außenseiter. Der Real-Profi hat mit sieben WM-Toren - je zwei gegen Mexiko und Norwegen in den K.o.-Runden - eine starke individuelle Bilanz, spielt in New Jersey aber nicht mehr mit. Kylian Mbappé, im Frühjahr noch auf vielen Zetteln, ist nach dem Halbfinal-Aus mit Frankreich in den Prognoserunden bereits abgeschrieben. Damit läuft am Sonntagabend im MetLife Stadium alles auf zwei Namen zu, deren gemeinsame Geschichte 19 Jahre zurückreicht: 2007 hielt Messi den kleinen Yamal bei einer Unicef-Aktion in Barcelona in einer Badewanne - heute steht der 19-Jährige zwischen ihm und einer neunten Trophäe.

Die Wahl bleibt formal offen: 100 internationale Journalisten stimmen ab, das Ergebnis wird erst im Herbst verkündet. In der Praxis, schreibt Yahoo Sports mit Verweis auf Analysten wie den früheren Valencia-Profi Gaizka Mendieta, gibt der Finalabend die Erzählung vor. Ein Weltmeistertitel würde Messi zur logischen Wahl machen - ein spanischer Sieg auf Yamals Schultern die Trophäe an den jüngsten Ballon-d'Or-Sieger der Geschichte verschieben.