Zwei Tage nach dem 1:4 der USA im Achtelfinale gegen Belgien hat Folarin Balogun sich erstmals persönlich zu der Entscheidung geäußert, die seinen WM-Auftritt möglich gemacht hatte. „Natürlich ist es dann kontrovers, wenn die Entscheidung geändert wird“, sagte der 25-jährige Stürmer nach der Partie in Seattle, wie unter anderem der Kicker und der Tagesspiegel berichten. Zuvor hatte die FIFA-Disziplinarkommission am Sonntag vor dem Spiel seine automatische Sperre für eine Bewährungszeit von einem Jahr ausgesetzt - ein Vorgang ohne Präzedenzfall im laufenden Turnier.
Balogun hatte sich in den Tagen davor auffällig zurückgehalten, während weltweit über einen Anruf von US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Chef Gianni Infantino und die Aufhebung seiner Sperre diskutiert wurde. Nun betonte der Angreifer, weder im Vorfeld noch nach seiner Roten Karte gegen Bosnien-Herzegowina in den Prozess eingebunden gewesen zu sein. „Wir haben die Entscheidung akzeptiert, als ich die Rote Karte gesehen habe, und wir haben die Entscheidung akzeptiert, als uns gesagt wurde, dass ich spielen kann“, zitiert ihn der Kicker. „Als Spieler muss ich mich auf meinen Job konzentrieren.“ Auf dem Platz in Seattle blieb Balogun blass: eine Kopfballchance über das Tor kurz vor der Pause, eine vergebene Möglichkeit gegen Belgiens Keeper Thibaut Courtois in der 82. Minute.
Natürlich ist es dann kontrovers, wenn die Entscheidung geändert wird. Wir haben die Entscheidung akzeptiert, als ich die Rote Karte gesehen habe, und wir haben die Entscheidung akzeptiert, als uns gesagt wurde, dass ich spielen kann.
Garcia nimmt Balogun in Schutz
Ausgerechnet der Trainer des Gegners entlastete den Amerikaner öffentlich. Belgiens Coach Rudi Garcia erklärte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel: „Er kam zu mir, das hat mir gefallen. Er ist nicht schuld. Er hat nichts falsch gemacht“, wie das ZDF berichtet. Balogun selbst sagte über die Begegnung mit dem Belgien-Trainer, den er noch aus gemeinsamen Zeiten in Frankreich kennt: „Ich kenne Rudi Garcia, wir sind natürlich riesig enttäuscht, aber ich wollte ihm trotzdem gratulieren.“ Und zum eigenen Spiel: „Ich kann nur ehrlich sein: Wir haben nicht gut gespielt.“ Der belgische Verband hatte am Sonntag eine Beschwerde gegen die Aufhebung der Sperre eingelegt, war damit aber vor der Partie abgeblitzt.
Auf dem Rasen war die Frage schnell entschieden. Charles De Ketelaere traf in der 9. und 33. Minute, Malik Tillman glich zwischenzeitlich für die USA aus (31.), Hans Vanaken erhöhte nach der Pause auf 3:1 (57.), Romelu Lukaku setzte in der Nachspielzeit den Schlusspunkt. Bundestrainer Mauricio Pochettino sagte nach der Niederlage bei der Sportschau: „Sie waren besser. Es war heute nicht unser Tag. Wir müssen daraus lernen.“ Für die USA endete der American Dream damit im eigenen Land - wie zuvor schon für Kanada und Mexiko im Verlauf der K.-o.-Runde.
Politischer Nachhall bleibt
Balogun ist zurück in Monaco, die Untersuchungen aber laufen weiter. Am Mittwoch forderten mehr als 55 EU-Abgeordnete um den Sozialdemokraten Niels Fuglsang die nationalen Verbände auf, den Vorgang bei der FIFA offiziell zu prüfen; die UEFA hatte tags zuvor von einer „beispiellosen“ Entscheidung gesprochen. FIFA-Präsident Infantino verfolgte das Belgien-Spiel demonstrativ von der Tribüne in Seattle, eine öffentliche Einlassung zum Trump-Anruf blieb aus. Balogun beendete seine Ausführungen in Seattle mit einem knappen Fazit gegenüber Reportern: „Als Spieler muss ich mich auf meinen Job konzentrieren.“ Es dürfte kaum die letzte Aussage in diesem Fall gewesen sein.