Der FC Bayern Basketball reist mit dem Matchball nach Berlin zurück. Nach dem 91:83 im dritten Finalspiel am Mittwochabend führen die Münchner in der Best-of-Five-Serie gegen Alba Berlin mit 2:1. Tipoff zu Spiel 4 ist am Freitag um 20:30 Uhr in der Max-Schmeling-Halle. Gewinnt Bayern erneut, ist die Meisterschale nach 2024 und 2025 zum dritten Mal in Folge gesichert - das erste Threepeat der Vereinsgeschichte.

Den Grundstein für die Ausgangslage legte Nenad Dimitrijević. Der bosnische Aufbauspieler kam in Spiel 3 auf 19 Punkte und sieben Assists bei einer Wurfquote von über 60 Prozent, Vladimir Lucic ergänzte 15 Punkte und sieben Rebounds. Bayern lag zwischenzeitlich mit acht Punkten vorn (39:31), kassierte zur Halbzeit den Anschluss und entschied das Spiel nach einem Dunking von Niels Giffey zum 61:60 mit dem ruhigeren Schlussabschnitt, wie die Sportschau berichtet. Bei Alba war Jack Kayil mit 17 Punkten bester Werfer.

Vor Spiel 3 hatte Justus Hollatz in der Abendzeitung München deutlich gemacht, woran sich der Favorit hatte messen lassen müssen: Spiel 2 in der eigenen Halle, die 79:86-Niederlage, ein defensiver Tiefpunkt. Hollatz' Forderung an seine Mannschaft fiel grob aus.

Wir müssen es einfach ekliger machen, müssen physischer sein, etwas dreckiger spielen, intensiver sein.
- Justus Hollatz, Abendzeitung München

Pesics Abschiedstour

Für Trainer Svetislav Pesic ist die Serie zugleich die letzte. Der serbische Coach, der im Dezember 2025 nach dem Abschied von Gordon Herbert übernommen hatte, verlässt den Verein nach der Saison. Ein vierter Sieg gegen Alba wäre sein Bayern-Vermächtnis. Pesic hatte schon nach dem ersten Finalspiel den Tonfall der Serie vorgegeben: „Das war eines der besten Spiele, die ich in dieser Liga überhaupt gesehen habe.“ Nach der 79:86-Pleite in Spiel 2 ging er auf Distanz, ohne in Defensivpathos zu verfallen: „Wenn wir bestehen wollen, müssen wir uns 100-prozentig verbessern, und es gibt keinen Grund, weshalb uns das am Mittwoch nicht gelingen sollte.“ Spiel 3 lieferte die Antwort, Spiel 4 muss sie bestätigen.

Patrick Femerling, langjähriger Nationalspieler, sortierte die Lage in der Abendzeitung München als Fachbeobachter ein. Bayern bleibe der Favorit, „und gibt keinen Grund, weshalb sich daran etwas ändern sollte“, die Serie koste aber beide Teams Substanz. Über Pesic sagte Femerling, der Trainer werde dem deutschen Basketball fehlen, weil er „einzigartig“ sei und „hochmotiviert“ auftrete, „seinen Spielern ein gutes Ende zu bescheren“.

Albas Heimvorteil, Calles' Plan

Bei Alba hängt alles am zweiten Heimspiel der Serie. Cheftrainer Pedro Calles hatte mit seinem Team das Auswärtsspiel 2 in München gewonnen, in Spiel 3 verteidigte Berlin trotz lauter Kulisse nicht stark genug. Hollatz brachte das aus Münchner Sicht auf eine Zahl: 86 Punkte, die Alba in Spiel 2 erzielt habe, „das kann nicht unser Anspruch sein“. Die Aufgabe von Calles besteht in zwei Schichten zugleich: Bayerns Pick-and-Roll mit Dimitrijević entschärfen und Andreas Obst hinter der Dreierlinie früher stören. Obst war in Spiel 1 mit 33 Punkten der entscheidende Mann gewesen, danach kam er nicht mehr in Rhythmus.

Verliert Alba, ist die Saison vorbei. Gewinnt Berlin, geht die Serie am Sonntag im SAP Garden in München in ein fünftes Spiel - mit Heimrecht für Bayern, aber ohne Sicherheit nach den Auswärtssiegen, die sich in dieser Finalserie bereits zweimal eingestellt haben. Der easycredit-bbl-Vorbericht zu Spiel 3 hatte die Frage gestellt, wer den Heimvorteil besser nutze: Bayern hatte ihn in Spiel 2 verspielt, Alba in Spiel 3. Spiel 4 entscheidet, ob das Muster hält.

Pesic hatte vor Serienbeginn formuliert, worum es jenseits aller Choreografien gehe: „Die wichtigste Sache ist, zu gewinnen - egal wie und egal wann.“ Wenn die Münchner an diesem Freitag in Berlin liefern, geht der Satz als Schlussplädoyer einer Trainerkarriere durch. Wenn nicht, fährt der BBL-Tross am Samstag noch einmal nach München.