Konrad Beikircher ist tot. Der Kabarettist starb am Dienstag im Alter von 80 Jahren in Bonn-Bad Godesberg, wie seine Ehefrau Anne Beikircher am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Beikircher, der als gebürtiger Südtiroler in sechs Jahrzehnten zum Chronisten der rheinischen Seele wurde, hatte in den vergangenen Monaten mit zahlreichen gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen. Sechs Wochen vor seinem Tod stand er nach Angaben seiner Frau ein letztes Mal auf der Bühne.
„Er hat die Menschen mit seiner Kunst umarmt, und die Menschen haben ihn geliebt“, zitiert die dpa Anne Beikircher. „Auf unglaubliche Art und Weise hat er sich seinen Humor bewahrt.“ Beikirchers Management bestätigte den Tod noch am Mittwoch gegenüber t-online, weitere Angaben zur Todesursache machte die Familie zunächst nicht. Für den Herbst geplante Auftritte werden abgesagt.
Er hat die Menschen mit seiner Kunst umarmt, und die Menschen haben ihn geliebt.
Vom Anstaltspsychologen zum WDR-Star
1945 in Bruneck geboren, kam Beikircher für ein Studium der Psychologie und Musikwissenschaft nach Bonn. Fünfzehn Jahre lang arbeitete er als Anstaltspsychologe in der Justizvollzugsanstalt Siegburg, bevor er mit 39 Jahren den Wechsel wagte. Von 1984 an war er in einer WDR-Radiokolumne zu hören, kurz darauf wechselte er ganz auf die Kabarettbühne. Über vier Jahrzehnte prägte er das Kulturleben zwischen Bonn, Köln und dem Ruhrgebiet - mit Programmen zwischen Sprachbeobachtung, Musik und sozialpolitischer Note.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) würdigte Beikircher als Botschafter des Landes. „Konrad Beikircher lebte und liebte das rheinische Leben und seine Dialekte“, erklärte Wüst am Mittwoch. Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester schrieb in einer Mitteilung der Stadt: „Mit Konrad Beikircher verliert das Rheinland einen seiner bedeutendsten Sprachkünstler.“ Beikircher habe „die Eigenheiten des rheinischen und speziell des kölschen Sprechens und Lebens“ auf die Bühne gebracht.
Der Blick des Zugereisten
Sein Alleinstellungsmerkmal war die Perspektive: Ein Südtiroler beobachtete die Rheinländer, notierte ihre Redewendungen, karikierte ihre Marotten - und die Rheinländer liebten ihn dafür. Fernsehen kannte ihn aus WDR-Formaten wie „Zimmer frei“, Buchleser aus einer langen Reihe von Titeln über das Rheinland und den preußisch-rheinischen Ausgleich. Der Verzicht auf die eigene Identität als Pointe blieb dabei sein Grundton: Beikircher spielte nicht den Rheinländer, sondern beschrieb ihn - mit derselben präzisen Neugier, mit der er einst seine Insassen in Siegburg analysiert hatte.