In Belfast haben am Dienstagabend mehrere hundert Menschen gegen Einwanderung demonstriert und dabei Fahrzeuge, einen Bus und Barrikaden in Brand gesetzt. Über der Stadt kreiste ein Polizeihubschrauber, Geschäfte schlossen vorzeitig, an mehreren Stellen stieg schwarzer Rauch auf. Die Proteste richteten sich gegen einen Messerangriff vom Vorabend, bei dem ein 30 Jahre alter Mann aus dem Sudan einen Mann in den Vierzigern auf der Kinnaird Avenue im Norden Belfasts schwer verletzt hatte.
Der Tatverdächtige wurde inzwischen wegen versuchten Mordes, Waffenbesitzes und Todesdrohungen angeklagt, wie der Tagesspiegel unter Berufung auf die Police Service of Northern Ireland (PSNI) berichtet. Das Opfer erlitt schwere Verletzungen an Gesicht, Augen und Rücken und liegt im Krankenhaus. Ein Passant hatte den Angriff nach Informationen aus den Ermittlungen mit einem Hurling-Stick gestoppt. Die Tatwaffe, ein Küchenmesser, wurde sichergestellt.
Auslöser der Eskalation war ein Video der Attacke, das sich seit Montagnacht in sozialen Netzwerken verbreitet. Augenzeugen rufen darin, der Angreifer versuche, den Mann zu „enthaupten“. Der britische Premier Keir Starmer verurteilte die Tat am Dienstag auf X: „Der furchtbare Angriff in Belfast ist widerwärtig. Ich habe absolut keine Toleranz für entsetzliche Szenen der Gewalt wie diese auf unseren Straßen.“ Die Polizei betont, es gebe bisher keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund.
Polizei warnt vor Online-Hetze
PSNI-Chef Jon Boutcher rief die Bevölkerung auf, sich nicht von anonymen Accounts aufstacheln zu lassen. „Lassen Sie sich nicht von Leuten online täuschen oder verleiten“, zitiert ihn die Salzburger Nachrichten. Zu den Protesten aufgerufen hatten unter anderem der britische Rechtsaktivist Tommy Robinson und Tech-Milliardär Elon Musk auf X. Laut BBC kam es neben Belfast auch in Portadown, Derry und Newtownabbey zu Zwischenfällen, ein Polizeiauto wurde in Brand gesetzt. Auch in Glasgow, Edinburgh und im südenglischen Southampton bildeten sich Demonstrationen.
Lassen Sie sich nicht von Leuten online täuschen oder verleiten.
Nordirlands First Minister Michelle O'Neill von Sinn Féin sprach laut RTÉ von „purer Rohheit“ und warf maskierten Männern vor, Familien aus ihren Häusern zu brennen. Auf der Lower Newtownards Road im Osten Belfasts traten nach BBC-Angaben Maskierte Türen und Fenster ein und kündigten an, „die Ausländer rauszuholen“. Mehrere Häuser und ein Bus brannten. Die Polizei bestätigte, dass mehrere Familien evakuiert werden mussten. Auf Tatverdächtige bezogene Festnahmezahlen liegen am späten Dienstagabend noch nicht vor.
Erinnerung an 2024
Die Bilder erinnern an die Ausschreitungen vom Sommer 2024, als nach der tödlichen Messerattacke auf drei Kinder im englischen Southport mehrere Wochen lang Übergriffe gegen Migranten und Moscheen folgten. Damals hatten falsche Angaben über den Täter, der von Behörden zunächst nicht eindeutig identifiziert wurde, die Welle befeuert. Die Polizei in Belfast warnt nun ausdrücklich davor, das Video weiterzuverbreiten. Der Tatverdächtige war laut Wikipedia 2023 über das Common Travel Area ins Vereinigte Königreich eingereist und hat eine Aufenthaltsgenehmigung bis 2028.