In Belfast ist es in der Nacht zum Donnerstag zur zweiten gewalttätigen Eskalation in Folge gekommen. Wie die Stuttgarter Nachrichten unter Berufung auf den nordirischen Minister Hilary Benn berichten, wurden bei den Ausschreitungen im Vorort Newtownabbey zwölf Polizistinnen und Polizisten verletzt; 16 Menschen wurden festgenommen.

Im Zentrum der Krawalle stand am Mittwochabend laut Berliner Zeitung der Sandyknowes-Kreisverkehr nordwestlich der Belfaster Innenstadt, wo sich rund 300 Menschen versammelt hatten. Vermummte zündeten einen Lastwagen an, warfen Ziegelsteine und Brandsätze auf Einsatzkräfte und versuchten, eine Tankstelle in Brand zu setzen. Die Polizei setzte erstmals einen Wasserwerfer gegen die Randalierer ein - ein Mittel, das die Police Service of Northern Ireland nur in Ausnahmefällen einsetzt.

Bereits am Dienstag waren in der nordirischen Hauptstadt hunderte Menschen durch die Straßen gezogen, hatten Fahrzeuge angezündet und Asylsuchende attackiert. Auslöser war ein Messerangriff auf einen Mann in den Vierzigern in Nord-Belfast am Montagabend, dem ein 30-jähriger Asylbewerber aus dem Sudan zur Last gelegt wird. Das Opfer Stephen Ogilvie verlor laut Berichten ein Auge. Der Tatverdächtige wurde wegen versuchten Mordes angeklagt.

Benn spricht von rassistischer Gewalt

Hilary Benn, der zuständige Minister für Nordirland, verurteilte die Ausschreitungen scharf und sprach von rassistischer Gewalt. Die Mobilisierung lief erneut über soziale Netzwerke, in denen rechtsextreme Akteure - darunter ein Aktivist mit Millionenreichweite - zu Versammlungen an konkreten Treffpunkten aufgerufen hatten. Migrantische Familien wurden nach Angaben der 20 Minuten teilweise unter Polizeischutz aus Wohnungen evakuiert; in mehreren Stadtteilen schlossen Geschäfte am Mittwoch vorzeitig.

Meine Angestellten leben in ständiger Angst.
- Hotelmanager nahe der Asylunterkunft, gegenüber 20 Minuten

Sicherheitsexperten verweisen darauf, dass die PSNI nach dem Brexit und nach den letzten gewaltsamen Episoden der Loyalismus-Konflikte ohnehin angespannt operiert. Die Lage in Newtownabbey gilt als besonders heikel, weil in dem Vorort Asylunterkünfte in einer Nachbarschaft liegen, in der lokale Gruppen seit Jahren gegen Zuwanderung mobilisieren. Die Behörden hatten am Donnerstagmorgen mit weiteren Aufmärschen gerechnet.