Belgien startet am Sonntag um 21 Uhr in Seattle in die Weltmeisterschaft 2026. Im Lumen Field, ausverkauft seit Wochen, trifft die Mannschaft von Rudi Garcia auf Ägypten - es ist das erste Pflichtspiel der beiden Teams in der Gruppe G, in der außerdem Iran und Neuseeland warten. ARD und MagentaTV übertragen die Partie ab 20.45 Uhr.
Garcia, der die Roten Teufel im Winter 2025 von Domenico Tedesco übernommen hat, sucht öffentlich die Demut. „Wir befinden uns eher in der Außenseiterrolle. Und ehrlich gesagt gefällt mir das sogar“, sagte der Franzose vor Journalisten in Seattle. Im selben Termin schob er nach: „Wir brauchen uns vor niemandem zu fürchten.“ Belgien steht in der FIFA-Weltrangliste auf Platz neun, hat die UEFA-Gruppe J mit acht Spielen, 29 Toren und nur sieben Gegentreffern gewonnen und vor der Abreise drei Vorbereitungspartien deutlich gewonnen - 7:0 gegen Liechtenstein, 5:2 gegen die USA, 5:0 gegen Tunesien.
Der zentrale Spieler bleibt Kevin De Bruyne. Der 34-jährige Kapitän hat seinen Muskelfaserriss aus dem Oktober 2025 ausgeheilt und im Test gegen Tunesien wieder getroffen. Über seinen Sturmpartner sprach De Bruyne nach jenem Spiel ungewöhnlich offen: „Wir können nicht erwarten, dass er 90 Minuten spielt, aber Lukaku hat ein unglaubliches Talent vor dem Tor.“ Romelu Lukaku kam in der vergangenen Saison bei Neapel verletzungsbedingt auf rund 60 Pflichtspielminuten und gilt als Wundertüte. Hinten muss Garcia auf Innenverteidiger Zeno Debast verzichten, der mit muskulären Problemen ausgefallen ist; voraussichtlich rücken Brandon Mechele und Joaquin Seys ins Zentrum.
Ich weiß, dass ich nicht mehr zehn Jahre vor mir habe.
Hassan rechnet mit „extrem schwierigem“ Auftakt
Ägypten reist erstmals seit 2018 wieder zu einer WM und bringt eine ungewöhnliche Bilanz mit: In der Afrika-Qualifikation blieb das Team unbesiegt - laut Verbandsangaben das erste Mal seit 91 Jahren. Trainer Hossam Hassan, einst selbst Stürmer der Nationalmannschaft und mit 69 Treffern Rekordtorschütze, hatte das Amt im Februar 2024 vom Portugiesen Rui Vitória übernommen. Vor dem Anpfiff dämpfte Hassan die Erwartungen: „Das Auftaktspiel gegen Belgien wird extrem schwierig. Die gesamte Gruppe ist stark und sehr ausgeglichen“, sagte er auf der Pressekonferenz in Seattle.
Im Mittelpunkt steht Mohamed Salah, der am Spieltag 34 Jahre alt wird und seit dem 0:0 gegen Spanien im März kein Pflichtspiel mehr bestritten hat. Hassan stellte klar: „Salah hat sein Reha-Programm erst in Liverpool und dann bei der Nationalmannschaft erfolgreich absolviert. Er ist jetzt absolut bereit für die kommenden Spiele.“ Neben Salah - in 116 Länderspielen 67 Tore, zwei weniger als Hassan selbst - setzt der Trainer auf Omar Marmoush, der nach seinem Wechsel zu Manchester City in der Premier League auf sich aufmerksam gemacht hat.
Gruppe G: Rennen um Platz zwei
Sportlich gilt Belgien als klarer Favorit auf den Gruppensieg. Das Rennen um den zweiten Platz und damit die K.o.-Runde dürfte sich zwischen Ägypten und dem Iran entscheiden, der parallel im Turnier startet. Brisanz erhält das Aufeinandertreffen zusätzlich, weil Iran nach den von US-Präsident Trump verkündeten Friedensgesprächen mit Washington politisch ohnehin im Fokus steht - die Unterzeichnung des Iran-USA-Abkommens ist für kommenden Freitag in Genf geplant. Neuseeland, in den meisten Vorhersagen als schwächstes Team der Gruppe geführt, dürfte im direkten Vergleich der Punktelieferanten sein.
Statistisch erwartet die Buchmacher ein torarmes Spiel. Die meisten Modelle prognostizieren weniger als zweieinhalb Treffer; Belgien geht mit Quoten um 1,40 in die Partie. Die Belgier haben zwar in den vergangenen fünf Begegnungen 20 Treffer erzielt, dabei aber auch fünf Gegentore allein in zwei Spielen gegen Wales kassiert. Ägypten hingegen blieb in zehn Quali-Partien bei nur zwei Gegentoren stabil. Garcia muss sich entscheiden, ob er das Tempo von Jérémy Doku und Leandro Trossard von Beginn an braucht, oder ob er - wie zuletzt in den Tests - Charles De Ketelaere zwischen die Linien stellt. Anpfiff: 21 Uhr deutscher Zeit.