Es war kurz vor Mitternacht am Sonntag, als die ZDF-Sportübertragung kippte. Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein hatte das Testspiel gegen Finnland abmoderiert, ein 4:0 zum Abschluss der WM-Vorbereitung in Deutschland, als sie sich an die Zuschauer wandte. „Es war ein schöner Fußballabend, aber manchmal ist Fußball eben auch nur die unwichtigste Nebensache der Welt“, sagte sie. Sekunden später folgte der Anlass: Die ZDF-Sportredaktion habe an diesem Tag ihren Kollegen Marcel Bergmann verloren.

Bergmann starb am 31. Mai 2026 im Alter von 62 Jahren, wenige Tage nach seinem Geburtstag, wie das ZDF live mitteilte. Er lebte zuletzt in Wiesbaden und arbeitete seit 1991 für das Mainzer Sendezentrum, zunächst als freier Mitarbeiter im Auslandsressort, ab 1992 in der Sportredaktion. Seit 1995 war er fest angestellt.

Hoch geschätzt und sehr gemocht, war er viele, viele Jahre bei uns im ZDF beschäftigt und hat sich bei vielen Fußballturnieren eingebracht. Er war großer Schalke-Fan.
- Katrin Müller-Hohenstein, ZDF

Müller-Hohenstein beschrieb Bergmann als „hoch geschätzt und sehr gemocht“ und als großen Schalke-Anhänger. Wie die deutschsprachige Wikipedia dokumentiert, war er als Redakteur bei den Fußball-Weltmeisterschaften 2010 in Südafrika und 2014 in Brasilien sowie bei den Paralympischen Spielen in Atlanta 1996, Sydney 2000, Athen 2004 und London 2012 im Einsatz.

Ein Leben nach Kenia

Bergmanns Biografie war geprägt von einem Tag im Jahr 1994. Bei einem schweren Autounfall in Kenia starben vier Menschen, unter ihnen sein Vater. Bergmann selbst lag zwei Monate im Koma und blieb nach Wirbelsäulenverletzungen querschnittsgelähmt, wie er später in zwei Büchern beschrieb. „Trotzdem China. Im Rollstuhl von Shanghai nach Peking“ erschien 2008 im Herder-Verlag, mit einem Geleitwort des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler. 2021 folgte „Wo die Sonne auch nachts scheint“.

Den Rollstuhl thematisierte Bergmann beruflich nie. Im Mainzer Sendezentrum am Lerchenberg arbeitete er im Hintergrund von Großturnieren, nicht vor der Kamera. Die offene Anteilnahme der Sportredaktion am Sonntagabend, ungewöhnlich für ein laufendes Liveformat, zeigt, wie tief der Verlust in den Apparat hineinreicht. Müller-Hohenstein schloss ihre Trauerworte mit dem Satz, das ZDF werde Bergmann „in guter Erinnerung behalten“.