Mit dem Motto „Analog trifft Algorithmus“ hat am Dienstag in Berlin die 114. BiblioCon begonnen, der größte Bibliothekskongress im deutschsprachigen Raum. Bis zum 22. Mai treffen sich im Estrel Congress Center Bibliothekarinnen und Bibliothekare, IT-Fachleute und Verbandsvertreter zu Fachvorträgen, Workshops und Best-Practice-Runden; Teile des Programms werden zusätzlich gestreamt. Ausgerichtet wird die Tagung vom Berufsverband Information Bibliothek (BIB) und vom Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VDB), der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) ist mit zahlreichen Beiträgen aus seinen Kommissionen und der Bundesgeschäftsstelle vertreten.

Der Tagungstitel benennt die zentrale Spannung der Branche: Discovery-Systeme, Verbunddatenbanken und zuletzt generative KI verändern die Facharbeit, während die Bibliothek als physischer Ort, als niedrigschwelliger und nicht-kommerzieller Treffpunkt, an Bedeutung gewinnt. Das Programm bündelt entsprechend Sessions zu künstlicher Intelligenz und zu Bibliotheksverbünden, zu Nachhaltigkeit und Klimakommunikation sowie zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. In den Fachstellenforen am 20. und 21. Mai geht es laut Programmübersicht unter anderem um inklusive Bibliotheken und demokratische Teilhabe, mit Beiträgen aus Kommunen wie Torgau, Korbach und Murrhardt.

Begleitet wird der Kongress von den finanzpolitischen Forderungen des dbv. Sechs Tage vor der Eröffnung, am 13. Mai, veröffentlichte der Verband ein Papier zur Stärkung Öffentlicher Bibliotheken unter der Leitlinie „Wer heute in Öffentliche Bibliotheken investiert, investiert in die Zukunft unseres Gemeinwesens“; am 18. Mai folgte der Jahresbericht 2025. Im Kern verlangt der dbv neben einer auskömmlichen Finanzierung durch Bund, Länder und Kommunen eine verbindliche rechtliche Verankerung des Bildungsauftrags. Seit den 1950er-Jahren wirbt der Verband für Bibliotheksgesetze, die er als Ausdruck des politischen Willens versteht, Bibliotheken verlässlich auszustatten.

Ausdruck des politischen Willens eines Staates, Bibliotheken auch mit finanziellen Mitteln zu gestalten und zu fördern.
- Deutscher Bibliotheksverband über Bibliotheksgesetze

Gesetze nur in einem Teil der Länder

Die Rechtslage ist uneinheitlich. Thüringen verabschiedete 2008 als erstes Land im wiedervereinigten Deutschland ein Bibliotheksgesetz, Hessen und Bremen zogen 2023 nach; eigene Regelungen bestehen außerdem in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. In Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind Bibliotheken über Kultur- beziehungsweise Kulturfördergesetze erfasst. Ein bundesweites Bibliotheksgesetz gibt es nicht, und nicht alle Länder haben eine eigene Regelung.

Auf Bundesebene hat die Branche einen Hebel im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung: Dort ist die Ermöglichung der Sonntagsöffnung Öffentlicher Bibliotheken festgehalten, eine langjährige dbv-Forderung. dbv-Bundesgeschäftsführer Holger Krimmer hatte die Aufnahme begrüßt und auf Familien, Alleinerziehende und stark eingespannte Berufstätige verwiesen, für die ein Bibliotheksbesuch oft nur sonntags möglich sei. Vorausgegangen waren ein CDU-Beschluss von 2024 und Zustimmung aus der SPD; die rechtliche Umsetzung steht weiterhin aus.

Demokratie als Leitmotiv

Die demokratiepolitische Aufladung des Themas zeigt sich auch jenseits Berlins. Am 11. Mai überreichte der hessische dbv-Landesverband dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung, Kunst und Kultur ein Positionspapier mit dem Titel „Demokratie braucht Bibliotheken“. Der Landesverbandsvorsitzende, Landrat Jan Weckler, beschreibt Bibliotheken darin als demokratische Infrastruktur: als vertrauenswürdige, nicht-kommerzielle Orte des gleichen Zugangs, als Garanten von Informations- und Wissenschaftsfreiheit und als Vermittler von Medienkompetenz. Gefordert werden „politische Rückendeckung und strategische Einbindung“, verbindliche rechtliche Rahmen und eine nachhaltige Finanzierung, dieselben Punkte, die auch in Berlin auf der Tagesordnung stehen.

Die BiblioCon läuft bis Freitag. Am 21. Mai begeht der dbv parallel seinen bundesweiten Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“, mit dem der Verband Bibliotheken als Orte des gesellschaftlichen Zusammenhalts sichtbar machen will.