Electronic Arts hat am Mittwoch das Rollenspiel-Studio BioWare geschlossen und die frühe Entwicklung am nächsten Mass Effect eingestellt. Konzernweit streicht EA rund 400 Stellen, etwa 50 davon im kanadischen Edmonton, wo BioWare seit 1995 ansässig war. Der Schritt ist Teil einer Umstrukturierung, die der Publisher gut zwei Monate nach seiner 55 Milliarden Dollar schweren Übernahme durch ein Konsortium um den saudischen Staatsfonds PIF angekündigt hat.

In einer internen Mitteilung schrieben EA-Studiochef Cam Weber und Chief Operating Officer David Tinson, man habe die Geschäftsbereiche „in den vergangenen Monaten gründlich überprüft“. Ein kleines BioWare-Team habe in frühen Entwicklungsphasen an einem neuen Mass Effect gearbeitet, EA habe sich jedoch entschieden, dieses Projekt nicht weiterzuverfolgen. „BioWare ist ein legendäres Studio, das das Rollenspiel-Genre mit geprägt hat, und wir treffen diese Entscheidung nicht leichtfertig“, heißt es in dem Memo, aus dem die Branchenzeitschrift Variety zitiert.

BioWare selbst meldete sich mit einer kurzen Botschaft. Studiochef Gary McKay hatte bereits im August dieses Jahres rund 50 Stellen gestrichen und die Einschnitte als „zutiefst schmerzhaft“ bezeichnet. Mit dem jetzigen Schritt verschwindet eine der prägendsten westlichen RPG-Schmieden vom Markt - und mit ihr ein Entwicklungsteam, das zuletzt noch an einem neuen Mass Effect gearbeitet hatte, dessen Fortschritt Produzent Mike Gamble im November 2025 öffentlich bestätigt hatte.

Nach mehr als drei Jahrzehnten gemeinsamer Abenteuer wird BioWare geschlossen - und die frühe Entwicklung am nächsten Mass Effect endet.
- BioWare, Statement vom 21. Oktober 2026

Weniger Studios, mehr Shooter

Für die verbleibenden EA-Studios zeichnet sich eine klare Prioritätenverschiebung ab. Respawn und DICE sollen gemeinsam an einem neuen Teil der Reihe Star Wars: Battlefront arbeiten, zusätzlich zu weiteren Battlefield-Titeln; Weber und Tinson bezeichneten den Launch von Battlefield 6 als „großen Erfolg“, aus dem man „viel über den Start und den Live-Service gelernt“ habe. Parallel verkleinert EA das Entwicklerteam hinter Skate, und bei der Sims-Reihe wird das Projekt Lotus zugunsten eines anderen Vorhabens namens Evergreen pausiert, wie Variety aus der internen Mitteilung berichtet.

Finanziell steht der Konzern seit dem Sommer unter neuem Druck. Die Übernahme durch ein Konsortium aus dem saudischen Public Investment Fund, der Beteiligungsgesellschaft Silver Lake und Jared Kushners Affinity Partners wurde im Spätsommer abgeschlossen und war mit rund 18 Milliarden Dollar Fremdkapital einer der größten Leveraged Buyouts der Branche. Analysten rechneten früh damit, dass die neue private Eigentümerstruktur zu Portfolio-Bereinigungen führen würde - BioWare mit seinen jüngsten kommerziellen Enttäuschungen galt dabei schon vor Monaten als Risikokandidat.

Von Baldur's Gate bis Veilguard

BioWare prägte das westliche Rollenspiel über drei Jahrzehnte. Baldur's Gate II (2000), Star Wars: Knights of the Old Republic (2003), die Mass-Effect-Trilogie (2007-2012) und Dragon Age: Origins (2009) gelten als Meilensteine. In den vergangenen zehn Jahren folgte jedoch eine Serie kommerzieller Fehlschläge: Mass Effect: Andromeda kam 2017 mit technischen Problemen und schwacher Resonanz heraus, der Loot-Shooter Anthem (2019) wurde 2021 ohne nennenswerte Reichweite abgewickelt, und Dragon Age: The Veilguard blieb nach dem Erscheinen im Herbst 2024 hinter den Verkaufserwartungen zurück.

Was aus den Marken Mass Effect und Dragon Age wird, ließ EA zunächst offen. Weder Weber noch Tinson äußerten sich dazu, ob ein anderes internes Studio die Reihen übernimmt oder die Rechte extern vergeben werden. Für die deutsche Spielergemeinde, in der Mass Effect und Dragon Age seit Jahren zu den meistverkauften Rollenspielen zählen, bedeutet die Schließung vorerst: keine Fortsetzung in Sicht.