Nach dem 0:1 gegen Griechenland in Augsburg blieb aus Jürgen Klopps rotierender Startelf ein einziger Name in den Zeugnissen der deutschen Presse hängen: Yann Aurel Bisseck. Der 25-jährige Innenverteidiger von Inter Mailand absolvierte sein erstes Startelf-Länderspiel für die DFB-Elf - und wurde von Sportschau, ran, Werra-Rundschau und 90PLUS übereinstimmend zum besten Deutschen des Abends erklärt. „Körperlich robust, bissig, abgeklärt, mit gutem Stellungsspiel“, schrieb neunzigplus.de und vergab die Note 2,5. Bei ran und Sportschau stand jeweils eine 2, bei der Werra-Rundschau eine 3.
Klopp hatte den 1,96-Meter-Verteidiger für den geschonten Nico Schlotterbeck ins Zentrum neben Jonathan Tah beordert - eine Personalie, die vor dem Anpfiff kaum diskutiert wurde und danach als eine der wenigen Klopp-Wetten des Wochenendes aufging. Nach 17 Minuten sah Bisseck bereits die Gelbe Karte wegen eines zu spät gekommenen Zweikampfs, doch danach ordnete er die deutsche Abwehr fast im Alleingang: hoch im Luftduell, sauber in der Vorwärtsverteidigung, aggressiv in den Umschaltmomenten. Nach einer Ecke in der 77. Minute fehlte einer Kopfball-Chance nur wenig zum Ausgleich.
Enorme Präsenz, physisch kaum zu bespielen, in der Luft nicht zu schlagen - ein absoluter Lichtblick in dieser deutschen Elf.
Der Kölner kommt aus dem Schatten
Für Bisseck ist der Abend in Augsburg der Endpunkt einer langen Verzögerungsstrecke. In Köln geboren und ausgebildet, brauchte er vier Leihstationen und drei Jahre in Italien, bevor sein Vertrag bei Inter bis 2031 verlängert wurde. Seit Dezember 2025 spielt er in Mailand durch, seine Einsatzquote in dieser Saison liegt laut Sportschau bei 83 Prozent. In der DFB-Elf blieb er unter Julian Nagelsmann trotzdem lange außen vor: 13 Minuten gegen Italien im März 2025, dann WM-Kader-Nichtnominierung, dann eine lange Pause. Die Sportschau titelte am Sonntagabend, der „Schattenmann tritt ins Licht“, 90min sortierte ihn in der Analyse nach den ersten beiden Klopp-Spielen unter die drei klaren Gewinner der neuen Ära.
Sportlich verändert das die Hierarchie in der deutschen Innenverteidigung noch nicht - Tah und Schlotterbeck bleiben nach 90min-Einschätzung „gesetzt“. Aber Bisseck rückt vom vierten oder fünften Platz in der Rangfolge an die Position eines echten Herausforderers. Für Klopp, der auf dem Weg zur Heim-WM 2026 noch nach Struktur und Personalfragen sucht, ist das der erste greifbare Ertrag seines Kader-Umbaus. Am Donnerstag geht es in München gegen Serbien weiter, spätestens dort dürfte sich zeigen, ob der Bundestrainer der Achse Tah-Bisseck traut - oder ob Schlotterbeck sofort zurück ins Zentrum kommt.